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Das „Kuratorium Neue Demokratie“ versucht derzeit massiv, unter dem Stichwort „Willi Weise“ Bundestagsdirektkandidaturen zu forcieren. Die auf diese Weise geworbenen Kandidaten müssen sich an so genannte „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ halten, die unter anderem verlangen „mit keinerlei eigenem Programm“ aufzutreten, ein Ansinnen, das für mündige Bürger, die ein Grundeinkommen doch voraussetzt, äußerst merkwürdig anmutet. Weiter wird erwartet, sich strikt an die so genannten sechs Punkte des Papiers „Deutschland bewegt sich“ zu halten.
Dort wird – in farbigen Lettern – von 299 Direktkandidaten phantasiert, die angeblich nur ihrem eigenen Gewissen statt einer Parteidisziplin folgen müssen. Sie werden schlicht „Die Weisen“ genannt. Auffällig ist hier jedoch der Widerspruch, dass die Kandidaten von Willi Weise zunächst in der Weise-Bewegung ihre eigenen programmatischen Absichten aufgeben müssen, um ihre Freiheit später im Bundestag auf wunderbare Weise wiederzuerlangen.
Diese „Weisen“ werden weiterhin als „Neue Persönlichkeiten“ bezeichnet – was stutzig machen muss: Welchem Erweckungserlebnis werden die „freien“ Kandidaten unterzogen, dass ihnen ihr Vorleben so gänzlich abhanden kommt? Das Drehbuch für die Bundestagsarbeit ist jedenfalls bereits verfasst: Die Herausgabe eigenen Geldes („Die Weisen“ zahlen „Realgeld“), „professionelle Entschuldung“, Arbeitsplätze werden mittels einer „repräsentativen Umfrage“ erfasst und „realisiert“, „Gesundung der Menschen“ und „Aufwertung von Kunst und Handwerk“ sind weitere Punkte. Zu guter Letzt kommt auch das deutsche Volk zu seinem Recht, dessen Land immer noch „Besatzungsgebiet“ sei, was mit Hilfe „befreundeter Völker“ geändert werden müsse.
Dabei soll keineswegs gesagt werden, dass alle Programmpunkte der Weise-Bewegung unisono abzulehnen seien – die hochproblematischen Belastungen durch das Zinssystem sind ja längst kein Geheimnis mehr und keineswegs exklusive Einsicht von „Willi Weise“. Schwierig für denkende Menschen ist jedoch, zu übersehen, dass hier mal wieder mit grobem Keil und ein paar Binsenweisheiten das Blaue vom Himmel versprochen wird, nach dem schlichten Motto „Wir müssen da schon zu überraschenden – wenn nicht gar abenteuerlichen – Mitteln greifen, dann ist die Neue Zeit da.“
Der angeblich so freie, nur seinem Gewissen verpflichtete Willi-Weise-Abgeordnete muss den neuen Zauberkasten jedoch nicht völlig alleine beherrschen. Denn, wie gesagt, seine Souveränität relativiert sich durch die Weisheit des großen Vorsitzenden und dessen „Kuratorium Neue Demokratie“, das ganz unbescheiden als „Schule“ bezeichnet wird: Schulungen durch Friedrich Schönbeck. Doch ohne Widerspruch bleibt auch „Willi Weise“ nicht: Die Initiative in Ulm hat bereits abgelehnt, Schönbeck beim Unterschriftensammeln für seine Direktkandidatur zu helfen. Auch andere Initiativen bleiben reserviert.
Um der „Zersplitterung der vielen guten Initiativen“ der letzten Jahrzehnte vorzubeugen, werden die Mitglieder, die mindestens 10 Euro im Monat spenden müssen, auf Willi-Weise-Symbolik und Entscheidungen eines „Ältestenrates“ verpflichtet. Wie heißt es doch so schön: „Der totale Machtwechsel für eine von Grund auf Neue Demokratie kann jetzt endlich durch gemeinsame Strategie und durch das Einhalten gemeinsamer Regeln wahr werden!“ Also frei nach dem Motto – wer Freiheit und Demokratie endlich realisieren will, sollte auf Zeit darauf verzichten, ein mündiger Bürger zu sein. Man muss Herrn Schönbeck keine bösen Absichten unterstellen, wenn man nüchtern feststellt: So geht´s nicht! Wer Freiheit und Demokratie ernsthaft umsetzen will, darf keine sektiererischen Strukturen aufbauen, sondern muss weiter mühsam versuchen, durch Argumente zu überzeugen – große bunte Lettern und höhere Weisheit-Tamtam helfen auf diesem Weg nicht weiter!
Direktkandidaten für das Grundeinkommen sollten sich untereinander austauschen – ohne Weise-Zwang und ganz einfach aus freien Stücken, um sich besser Kennen zu lernen und zu unterstützen. Ein bisschen Realismus schadet dabei übrigens nicht. Auch wenn die Willi-Weises es ihren Kandidaten verbieten(!), Zweifel an der Behauptung zu wecken „Willi Weise kriegt alle Erststimmen“, ist der Frust schon vorprogrammiert, wenn diese Massensuggestion sich am Ende als Strohfeuer entpuppt. Die Direktkandidaturen sind in erster Linie ein Mittel der Öffentlichkeitsarbeit – von Trittbrettfahrern wie „Willi Weise“ sollten wir uns dabei nicht ablenken lassen. Auch wenn sie nach den Wahlen wieder verschwunden sind, wird der Kampf für das bedingungslose Grundeinkommen weitergehen.
weitere Links zum Thema:
Marxblog
Willi Weises AGB
Kritischer Artikel BGE-Portal
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15 Kommentare:
Denn wer die Grundeinkommens- und Bürgergeld-Befürworter um ihre Zweitstimme bittet, für eine Partei, die es diesmal garantiert nicht schaffen wird, der fordert sie praktisch dazu auf, sich selbst zu entmündigen.
Nein, dafür ist die Bundestagswahl zu wichtig! Ihre Zweitstimmen sollten Linke einer linken Partei (SPD, Grüne oder Linke) geben, und Bürgerliche einer bürgerlichen (CDU/CSU oder FDP), auf dass unsere Volksvertretung nicht VERZERRT werde! Ein Zeichen zu setzen für das Grundeinkommen/Bürgergeld, dafür ist die ERSTstimme besser geeignet!
Wie schnell eine derartige Vermischung neuer und alter Reformideen mit einem demokratietheoretisch unklaren Gesamtprojekt für Verwirrung sorgen kann, zeigt m.E. der Kommentar von Michael Klockmann, der reflexartig stereotype Antisemitismus-Vorwürfe produziert und sogar Bewegungen mit Einzelpersonen verwechselt.
Desweiteren steht bei Zinskritikern nicht der Profiteur im Fokus sondern die ungleiche Verteilung von Geld die aufgehoben werden soll. Es geht um eine Entschärfung von Machtverhältnissen. Jedem echten Demokraten sollte dabei eigentlich egal sein, wem die Macht dabei aus der Hand gerissen wird. Ansonsten macht man sich damit zu einem ominösen Systemverteidiger.
Ich fühle mich zwar auch nicht besonders angezogen von der Rhetorik auf den Weise-Seiten. Aber selbst wenn man mal anheimstellt, daß das Schönbeck mit diesen eidesstattlichen Erklärungen die "Weisen" auf seine persönliche Linie trimmen will (was a nicht 100% klar ist und was b wohl ohnehin nicht funktionieren würde), bliebe ihm immer noch das Verdienst, neue Gesichter in den Bundestag gelotst zu haben. Vorausgesetzt, die Truppe holt tatsächlich eine nennenswerte Zahl von Direktmandaten, was ja auch noch völlig offen ist.
Falls es gelingt, werden da wohl einige ihr blaues Wunder erleben. Das gilt für die Weise-Kandidaten genauso, wie die vom Netzwerk präferierten Kandidaten. Gruppendynamisch ist der Bundestag ja eine weitgehend geschlossene Gesellschaft, in der seit Jahrzehnten eine klare Hackordnung herrscht. Das läßt sich nicht so einfach aufbrechen, indem man sich da reinsetzt und glaubt, jetzt könne man mitreden. Falls sich da ein Trend abzeichnet, daß über die Erststimmen zunehmend Seiteneinsteiger ins hohe Haus kommen, wird wohl erstmal versucht werden das Wahlrecht entsprechend zu "korrigieren".
Wie dem auch sei. Im Moment wäre es schon viel wert, wenn es überhaupt gelingt, die althergebrachten Strukturen unseres Parteiensystems ein wenig aufzulockern.
Ich denke das Netzwerk würde besser aussehen, wenn es etwas entspannter mit dem Weise- und anderen Phänomenen umginge.
Wichtig zum Verständnis des Problems ist auch: "Uns beschäftigt hier nicht das Phänomen des Judenhasses, der in der Geschichte von untergeordneter und in der Politik ohne alle Bedeutung ist. Was aber den Antisemitismus anlangt, so ist offensichtlich, dass er politisch nur dann relevant und virulent werden kann, wenn er sich mit einem der wirklich entscheidenden Probleme der Zeit verbinden kann." Und das versucht er gerade.
Die Idee mit den Direktkandidaturen zum Bundestag, also die Nutzung der Erststimmen, ist auch alles andere als neu. Seit einigen Jahren wird sie schon in Verbindung mit dem Thema „Volksabstimmungen” (leider ohne BGE) von den „Unabhängigen Kandidaten” bzw. deren Nachfolgeorganisation „Für Volksentscheide” (http://fuervolksentscheide.de) versucht. Allerdings hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch niemals (!) ein/e parteiunabhängige Kandidat/in in den Bundestag geschafft, man sollte also wohl nicht allzu viel von „Willi Weise” erwarten/erhoffen/befürchten (auch nicht von den wirklich unabhängigen BGE-Kandidat/innen).
Was das „Heldentum” angeht, sich öffentlich gegen Goetz Werner bzw. seine z.T. reichlich wirren Aussagen bzw. Positionen zu stellen, so muss ich (mehr wegen des inhaltlichen Kritik als ob der Aussicht auf irgendeine Ordensverleihung durch Matthias Dilthey) wieder einmal auf http://politik-werkstatt.de/Nicht-Programm.htm#GoetzWerner verweisen.
Der Ältestenrat ist die Institution innerhalb der Volksbewegung Willi Weise, die autorisiert ist, solchen Personen die Mitwirkung zu verbieten und sie auszuschließen, welche die Willi-Weise-Bewegung schädigen. Nicht zuletzt ist dabei an verdeckte Quertreiber und Maulwürfe gedacht, die als Störer von oppositionellen Kräften – oder gar als "Bewährungshelfer“ von "höchsten Stellen“ – eingeschleust sind. Dieser Punkt 6 klingt wenig demokratisch, schützt jedoch vor eingeschleusten Störern.
Auch bezüglich der Programmversprechen darf es hierbei nicht ohne Befragung der Bevölkerung geschen. Dazu zietiere ich nochmals die Willi Weise AGB. Ich werde wie alle Willi-Weise-Kandidat/en/innen ein gegebenes Programmversprechen sofort umsetzen. Trotzdem lasse ich mich davon nicht vorausbestimmen. Denn mein wichtigstes Programm sollen die jeweils tagesaktuellen Ideen und Kümmernisse der Menschen in Deutschland sein; vorwiegend derer aus meinem Wahlkreis.
Wichtig und NEU ist, dass die Poltiker auf die Menschen hören und nicht umgekehrt wie es die letzten Jahrhunderte gelaufen ist.
Ihm wurde, als er sich als Direktkandidat für den WK 110 - Mönchengladbach - bewarb mitgeteilt, dass 242 WK belegt seien. Davon ist man aber weit entfernt.
Zur Zeit sind es wahrscheinlich nicht einmal 100 und diverse Personen mit denen ich in Kontakt trat, haben auch gar nichts unterschrieben und sind somit frei von Willi Weise (WW).
Wichtig wäre eigentlich nur, dass alle "parteilosen Kandidaten" die für ein Grundeinkommen auf der Wahlliste erscheinen an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen müssen um wirklich etwas zu erreichen.
Denn letztlich steht fest, dass alle Parteien immer vor der Wahl Versprechungen machen und nach der Wahl klingt es eher danach: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.
Wenn die Menschen in der Zeit vor der Wahl entsprechend informiert werden, dann wäre es doch wundervoll wenn die parteilosen Direktkandidaten den Parteien das Leben ein bisschen schwerer machen würden.
Wer dazu beitragen möchte, der sollte sich auf jeden Fall in den E-Mail-Verteiler bei www.grundeinkommen.eu eintragen um auch über deren Aktivitäten auf dem Laufenden zu sein.
In Mönchengladbach wird jedenfalls Günter Dennhoven, leider unter dem Stichwort "Wählergruppe: Grundeinkommen" auf der Wählerliste erscheinen.
Er hat sich von WW getrennt, hält es aber für wichtig, für das "Bedingungslose Grundeinkommen" sich entsprechend einzusetzen.
In diesem Sinne, lasst uns an einem Strang ziehen!
schön, dass es Euch und eure Initiative gibt. Jeder sieht das Thema aus einem anderen Blickwinkel und jeder glaubt, die eigene Wahrheit zu kennen. Wenn etwas entsteht, ob alt oder neu sei dahin gestellt, wird erst einmal alles auseinander genommen. Kann man vielleicht auch mal einen anderen Weg gehen, als die übliche Meinungsmacherei? Wir wollen doch im Grunde unseres Herzens alle das Gleiche. Das könnte zum Beispiel sein, hier auf diesen Planeten glücklich zu leben. Doch mit eurer Strategie wird das nichts, wenn sich alle gegenseitig zerfleischen. Hat jemand schon einmal darüber nachgedacht, dass das Leben viel einfacher sein könnte, wenn man es nicht so kompliziert gestaltet würde?
Nun, ich habe mich bei Willi Weise als Kandidatin angemeldet, weil ich mir darüber bewußt geworden bin, dass ich so in diesem Land nicht mehr leben möchte und ich kenne viele Menschen, die das auch nicht mehr wollen. Aber wie ändert man das? Die Lösung liegt in unseren Köpfen, bei jedem von uns.
Übrigens, niemand erwartet nach irgendeiner Pfeife zu tanzen oder ein starres Programm abzuarbeiten, auch Friedrich Schönbeck nicht. Wir sind alle freiwillig dabei und wir haben auch alle eine eigene Meinung.
Wir wünschten uns mehr gemeinschaftliches Handeln. Wir wollen unser Land mitgestalten und was wollt Ihr? Ich wünsche allen eine gute Zeit und viel Erfolg.
Wiltrud Dettmer
WilliWeise- Kandidat
WK 67 Altmark
Zitat:
"3. Informationen zu williweise.de
In unserem letzten Newsletter wurde im Zusammenhang mit den Direktkandidaten versehentlich auch auf williweise.de verwiesen. Eine Stellungnahme zu williweise.de finden Sie z.B. unter
http://freiheitstattvollbeschaeftigung.de/blog/2009/07/willi-weise-und-konsorten-eine.htm
Wir wollten eigentlich diesen Link setzen: http://www.archiv-grundeinkommen.de/wahlen/butawa09.html".
So, wie diese Menschen niedergemacht werden, so wird eine große Aktion, bei der 76 Willi Weise Kandidaten antreten um für das Volk als parteifreie Kandidaten für ein BGE zu kämpfen, schon versucht schlecht zu machen.
Dort finden übrigens weder Gehirnwäsche noch sonstige sektenähnlichen Dinge statt. Wie gesagt, ich war in Melsungen und habe nette Menschen kennengelernt. Dort wird, wie überall, über Möglichkeiten gesprochen, diskutiert und niemand muss "gehorchen".
Wobei ich durch www.Grundeinkommen4u.de auch schon festgestellt habe, dass die einzelnen Kandidaten alle ihr eigenes Süppchen kochen und sicherlich kaum einer im Bundestag landen wird.
Tja, das mit dem an einem Strang und in dieselbe Richtung scheint sehr schwierig zu sein.
Der Wille zählt und wer nicht will, der hat schon.
Es heißt also, sich selbst auf den Weg zu machen und sich mit Volkswirtschaft und Zins zu beschäftigen, um den Nebel zu lüften. Literatur gibt es dazu mittlerweile genug.