Hier möchte ich meine spontane Reaktion auf den Artikel in der „Frankfurter Neuen Presse“ anbringen, in dem über das Grundeinkommens-Dossier berichtet wird.
Ich war oft und lange genug arbeitslos und bin nicht unbedingt eine Person, die im Leben leicht zurecht kommt. Trotzdem finde ich das Modell „Grundeinkommen für jedermann“ nicht ansprechend.
Unserer zivilisierten Gesellschaft fehlt zum Großen Teil das Empfinden für die Bedrohung unser eigenen Existenz. Jetzt wird es für den HarzIV-Empfänger etc. zur Realität. Da ich z.B. die Angst, die Wohnung demnächst zu verlieren selbst erlebt habe, weiß ich, wovon ich spreche. Die Bedrohung der Existenz gehört für mich zum Leben. Das Prinzip ist „Fressen oder gefressen werden“.
Natürlich finde ich das soziale Netz gerade vor diesem Hintergrund umso wichtiger. Man soll sich um die kümmern, die nicht oder nur sehr schwer arbeiten können. Das könnte so etwas wie bedürftigkeitsentsprechende Zuwendung sein.
Dann wäre da noch die persönliche Entscheidungsfreiheit: Jeder kann tun und lassen, was er will. Das schließt für mich die Entscheidung ums eigene Überleben zu kämpfen mit ein. Wird dem Menschen die Möglichkeit genommen, für seine Existenz zu kämpfen, kann er sehr gut in Depression und dergleichen versinken. Oder woher kommt sonst der Trend zu psychischen Krankheiten in unserer Gesellschaft?
Ich wäre eher dafür, wir schließen uns im Kampf ums Überleben zusammen und greifen uns dabei gegenseitig unter die Arme, wo einer nicht mehr alleine klar kommt, als dass wir dieses grundlegende Bedürfnis verschütten.
Beitrag bewerten:Existenzminimum - so wenig wie möglich? Nein: so viel wie möglich!
So wollen wir leben! Das bedingungslose Grundeinkommen ein Top-Thema in der IG Metall-Befragung
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27 Kommentare:
Das Problem an der Freiheit, die mit einem Grundeinkommen gewährt wird, ist tatsächlich, wie im Artikel geschrieben, dass man mit dieser neu gewonnenen Art der Freiheit erst lernen muss, umzugehen.
Es ist die Armut, die krank macht, die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit vieler Hartz-IV-Empfänger/-innen, das führt zu psychischen Krankheiten. Menschen, deren Existenz gesichert ist, können ganz anders handeln, frei und selbstbewusst.
Der Mensch jedoch als vernunftbegabtes Wesen sollte doch in der Lage sein, gerade dieses "Wolfsgesetz" zu durchbrechen. Wozu sonst setzt er seinen Verstand ein für den technischen Fortschritt - vielfach auf Kosten der Natur,,,
Wegen des Überlebensdrucks müssen wir Arbeitsbedingungen ertragen, die Seele und Körper nachhaltig schädigen. Das kann es doch wirklich nicht sein.
Mit einem Grundeinkommen müsste sich niemand aufgrund des Überlebensdrucks in einem Callcenter zum geistigen und körperlichen Wrack machen lassen. Nicht umsonst bekommen Callagents kaum eine private Berufsunfähigkeitsversicherung und wenn, dann nur in der höchsten Risikoklasse wie Dachdecker, weil man eben nach einigen Jahren im Callcenter so ruiniert ist, dass man praktisch keinen Beruf mehr ausüben kann. Jeder im Callcenter hofft, nach spätestens ein paar Monaten rauszukommen. Junge Leute schaffen das meist, aber wer ein bestimmtes Alter überschritten hat bleibt dort solange, bis ihn der Job völlig krank gemacht hat um dann in den Dauerkrankenstand und anschließend in Hartz IV zu fallen.
Ein Grundeinkommen würde auf jeden Fall verhindern, dass sich Menschen wegen des Überlebensdrucks gesundheitlich ruinieren lassen müssen.
Ich kann kaum glauben, dass Sie diesen Nebeneffekt des Grundeinkommens auch noch als positiv darstellen. Mit dem Grundeinkommen geht ein Ausstieg aus dem Unterhaltsrecht einher (erwähnt das irgendjemand, oder nehmen wir das einfach so hin?). Frauen könnten sich nach Belieben trennen und wären mit ihren Kindern versorgt. Sind sie dem Vater böse, könnten sie ihre Kinder dem Vater vorenthalten. Wie die Vergangenheit gezeigt hat: Niemand wird dem Vater helfen können. Der ist seine Kinder dann los. Was aber wohl noch schlimmer ist: Das Grundeinkommen könnte dazu verwendet werden, mit Kindern Geschäfte zu machen. Im einfachsten Fall geht die Frau einer Prostitutionstätigkeit nach, bietet Sex ohne Gummi an, und bekommt dann alle 2 Jahre ein Kind, dessen Vater sie bei der Geburt nicht angibt (kennt sie ja auch nicht). Sie ist dann Alleinerziehende und nur sie hat das Sorgerecht. Den Kindern werden die Väter lebenszeitlich vorenthalten. Vom Grundeinkommen der Kinder bringt die Frau einen Teil regelmäßig auf die Bank. Wenn sie geschickt ist, hat sie mit Mitte 40 ausgesorgt. Hier sind Nebenwirkungen möglich, die mit unserem üblichen Ethikverständnis in keinster Weise zu vereinbaren sind.
Wenn die Starken nicht helfen, haben die Schwachen nur die Chance, den egoistischen Teil der Starken gemeinsam dazu zu zwingen. Das neoliberale Gedankengut zeigt Wirkung: Die Depression kommt von Ausgrenzung der Verlierer und dem Mann-gegen-Mann Einzelkämpfer-Wirtschaftskrieg; Isolationsfolter. Nur mit BGE hat man die Freiheit, sich für Wirtschaftskrieg zu entscheiden und gegen andere zu kämpfen, ohne BGE muss man. Und das Ziel ist ja gerade die Nächstenliebe anstatt Wirtschaftskrieg gegen andere.
Ich glaube nicht an ein Umdenken. Menschen, Unternehmen, Tiere werden jeden Vorteil nutzen, der sich ihnen bietet. Deshalb kann man den Missbrauch nur verhindern. Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, hat das Grundeinkommen zwei Wirkungen:
A) Es versorgt Menschen mit einem Grundeinkommen.
B) Es versorgt auch alle Menschen, die neu geboren werden, sofort wieder mit einem Grundeinkommen. Das Geld erhalten dann die Eltern, die auf diese Weise ihren Grundeinkommensanspruch selbstständig erhöhen können.
B) ist ein Zinseszins- oder Schneeballverfahren.
Über A) kann man durchaus diskutieren, wobei m. E. die Höhe eher niedrig angesetzt werden sollte. B) ist dagegen nicht akzeptabel. Hier hilft m. E. nur:
Kein Grundeinkommen für Kinder. Stattdessen Gutscheine etc. Die Diskussion sollte in diese Richtung gehen.
ja, stimmt, im reinen Konsumsteuermodell wie es Götz Werner propagiert, wird nichts mehr besteuert außer dem Konsum. Nun ist eine derart radikale Steuerreform nicht notwendig verknüpft mit dem bGE, und abgesehen davon, dass wir (SteuerbürgerInnen und -Beamte) jede Menge kostbare Lebenszeit auf extrem komplizierte Steuererklärungen verwenden, spricht natürlich nichts dagegen, den deutschen Steuerdschungel beizubehalten.
Als weiterer charmanter Punkt in einem zukunftsfähigen politischen Programm macht sich eine solche Steuerreform aber meiner Ansicht nach ganz hervorragend. Die merkwürdig weit verbreitete Sorge, dass viel verdienende Konsumverweigerer dabei zu gut weg kämen, verstehe ich nicht so ganz, bzw. wäre mir das, wenn ich denn ein bGE (von heute 800 €) bezöge, auch ein Stück weit egal, von den sozialethisch äußerst problematischen Implikationen dieses unsäglichen "Reichen"-Diskurses gar nicht zu reden.
Zum einen dürfte sich die Vielverdienerei erheblich relativieren, hätten denn alle, die ihre Haut zum Arbeitsmarkt tragen müssen, bei Lohn-/Gehalts-/Honorarverhandlungen das Grundeinkommen im Rücken. Und die Hälfte des Sozialprodukts würde ja de facto zur freien Entnahme in den Supermärkten bereitgestellt, da ist ja der Spielraum, aus der Vernutzung fremder Arbeitskraft Profit zu schlagen, schon mal unmittelbar an der Quelle um die Hälfte reduziert, bevor es auch nur als Gewinn oder hohes Managergehalt, Dividende oder wie auch immer vernebelt als Einkommen in Erscheinung treten kann.
Und wenn einer dann trotzdem meint, sich noch dumm und dusselig verdienen zu müssen und es nicht mal mehr schafft, das Geld genüsslich auszugeben? Da ist Mitleid bezüglich mangelnder Lebenskunst für mein Gefühl angebrachter als Neid wegen des dicken Bankkontos. Oder sieh es einfach mal so rum: So ein Dagobert, also ein knausriger Besserverdiener mit hoher Sparquote, lässt sein Einkommen im Grunde auch zur einstweiligen Verwendung in der Gesellschaft, statt es selbst zu verzehren, das ist doch auch ok? Möchtest Du reich sterben?
Und im übrigen: Eine Konsumsteuer mit völlig einheitlichem Steuersatz, die aber als bGE zu gleichen Teilen an die Gesamtbevölkerung verteilt wird, ergibt eine so wunderbar ansteigende und wunderbar einfach konstruierte Steuerprogression, dass es wirklich immer wieder eine Freude ist, zu rechnen: Beim Durchschnittskonsum wäre der effektive Mehrwertsteuersatz glatt 0%. Ergo: die Konsumsteuer ist die perfekte Luxussteuer.
Mit dem bGE läuft einiges ja gerade ganz anders ab, das muss auch in deinem Beispiel berücksichtigt werden.
Erstens: Prostitution als Arbeitsplatz ist selten etwas, was freiwillig gemacht wird. Das bGE soll ja gerade von solchen Arbeiten befreien, die man nur macht, weil man Geld zum Überleben braucht.
Zweitens: Du hast geschrieben mit dem angelegten Geld der Kinder hätte die Frau ausgesorgt. Wenn jemand "ausgesorgt" hat verstehe ich darunter, dass jemand soviel Geld hat, dass die Person nicht mehr Arbeiten muss. Aber genau das ist ja auch das Ziel des bGE. Man hat nicht soviel Geld, dass man sich alles kaufen kann, aber man kann ohne arbeiten zu müssen leben.
Drittens: Wenn man davon ausgeht, das Prostitution eine unbeliebte Arbeit ist, aber sehr stark nachgefragt wird, dann steigt in dem durch das bGE vom Druck befreiten Arbeitsmarkt auch der Wert der Arbeit, also der Lohn. Daher denke ich auch hier, dass sich eine solche Aktion mit den Kindern weniger rechnen würden als aus heutiger Sicht, wo man mit 0 starten muss.
Denn eines wird das Grundeinkommen auf jeden Fall aufheben: die Bedingungen, nach denen man aus dem Überlebenstrieb heraus gezwungen sah, für Nahrung (durch Einkommen mit Arbeit) zu sorgen. Ist der Mensch also so sehr Kulturwesen geworden, dass er sich - ohne in eine Zugehörigkeitskrise (naturgebundenes Wesen oder kulturell selbstbestimmtes Individuum) zu geraten - in die neue "(existenzielle)Leidenslosigkeit" begeben kann (auch wenn das Jahre oder gar Generationen dauert), oder ist der Mensch doch noch nicht so sehr selbstbestimmt und kulturell "entnaturalisiert", so dass für ihn die Evolution immer noch die Triebfeder für alles Handeln darstellt.
Tendieren die meisten Menschen eher zu letzter Gruppe, dann kann es tatsächlich passieren, dass diese in eine Sinnkrise o.ä. fallen können, weil ihnen nun die "natürliche Umgebung", also das Kämpfen für Nahrung und Überleben fehlt.
Wenn sich allerdings herausstellen sollte, dass die Mehrheit der Menschen nun wirklich kulturell soweit von der Natur abgenabelt ist, dass es für sie eine Art "Befreiung" von Zwang und Kampf ist, so kann das Grundeinkommen ein wahrer Motor für weiteren Fortschritt und weitere Individualisierung werden.
Ich habe mich immer zur Mittelschicht gehörig gefühlt, habe eine sehr gute Ausbildung, konventionelles Abitur mit 18, eine gute kaufmännische Ausbildung und eine rund 30jährige breit gefächerte Berufserfahrung (zweisprachig, international). Jetzt haben mich die Heuschrecken wegrationalalisiert und mir droht nach Ablauf ALG 1 das unsägliche Hartz 4 mit allen Konsequenzen bis hin zum Verlust meiner privaten Vorsorge, Haus, Absturz der Familie etc. - und am Ende Altersarmut??
Ich will arbeiten und ich bin gut, aber leider 50 Jahre alt (eigentlich eher jung, aber das ist eine andere Diskussion). Mit einem bGE hätte ich den Kopf frei, weiter zu suchen und die Chancen würden sich ganz sicher enorm verbessern, weil ein Umdenken in den Köpfen der Mächtigen / Arbeitgeber erfolgen müsste! Das eigentliche Problem wird sein, die Macht- und Geld-"Eliten" zu knacken, denn die werden nicht zulassen wollen, dass die Masse, denen sie ihre Vermögen verdanken, nicht weiter ausgebeutet werden können. Wir leben nämlich in einer Oligarchie (nach Platon oder besser gesagt nach Polybio). Fackeln- und Mistgabeln - It´s time for another revolution. Habe fertig mit Kapitalisten-Bananenrepublik Deutschland.
Wenn dein Atem lang genug ist kommt auch der Erfolg. ... Susanne will nur nicht, dass sich die Leute auf die faule Haut legen und vorm Fernsehen dick und doof werden!
Hier hat jemand etwas kluges geschrieben:
Es ist die Armut, die krank macht, die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit vieler Hartz-IV-Empfänger/-innen, das führt zu psychischen Krankheiten. Menschen, deren Existenz gesichert ist, können ganz anders handeln, frei und selbstbewusst.