Sicheres Grundeinkommen für alle
Wunschtraum oder realistische Perspektive?

Eva Douma hat ein sehr informatives Buch über das Bedingungslose Grundeinkommen und Varianten davon geschrieben. Es trägt den Titel „Sicheres Grundeinkommen für alle. Wunschtraum oder realistische Perspektive?“.

Ohne missionarisch überzeugen zu wollen, stellt sie in einem angenehm sachlichen Tonfall das Für und Wider in der Grund­ein­kom­mens­de­bat­te dar. Damit setzt sie einen dringend erforderlichen Gegenpunkt zu all den Büchern glühender Grund­ein­kom­mens­be­für­wor­ter. Dieses Buch kann man auch einem Skeptiker empfehlen. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass alle BGE-Gegner das Buch lesen und ihre Kritik erst danach formulieren würden. Denn fehlende Sachinformationen sind ein häufiges Ärgernis in der Debatte ums Grundeinkommen.

Die Verlegerin hatte sich ein allgemein­verständliches Buch zum Grundeinkommen gewünscht und auch bekommen. Insbesondere das Kapitel über Modell­versuche in aller Welt enthält auch für langjährige BGE-Insider noch die eine oder andere neue Information. Darüber hinaus bietet dieses Buch mit seinem ausführlichen Quellen- und Literatur­verzeichnis auch Unterstützung zur tieferen Recherche.

Bei der Argumentation, warum ein BGE überhaupt erforderlich sein könnte, bemerkt man den Hintergrund der Autorin, die als Referentin beim paritätischen Wohlfahrts­verband tätig war. An der Stelle sind aus meiner Sicht ein paar Beweg­gründe offen geblieben, aber die gesellschaftliche Schief­lage, Veränderungen am Arbeits­markt und Reform­bedarf bei den sozialen Sicherungs­systemen werden schlüssig beschrieben.

Douma führt die verschiedenen Modelle auf – angefangen von dem der Partei Die Linke, über die Modelle von Götz Werner, Dieter Althaus bis hin zu Michael Opielka und einigen weiteren. Dabei bezieht sie selbst keine Position, sondern überlässt es letztendlich dem Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden. Auch bezüglich der Finanzierung zählt sie zahlreiche Optionen auf und verdeutlicht plausible Möglichkeiten, ohne selbst dabei den Anspruch auf ein ausgearbeitetes Modell zu erheben.

Eva Douma
Eva Douma (rechts). Foto: Susanne Zeyse

Nach der bloßen Lektüre konnte ich nicht mal sicher sagen, ob die Autorin ein Grundeinkommen überhaupt befürwortet. Im Gespräch am Rande ihrer Buch­vorstellung auf der Leipziger Buch­messe wurde dies allerdings schnell klar. Eva Douma war schon vor 15 Jahren über eine Veranstaltung von Attac mit dem Thema in Berührung gekommen und ist seither von der Idee überzeugt. Die Motivation, selbst ein Buch übers BGE zu schreiben, war über ihr vorangegangenes Buch mit dem Titel „Juhu, wir werden alt und bauen ab!“ entstanden, welches sich mit den anstehenden demografischen, ökologischen und ökonomischen Veränderungen in der Gesellschaft beschäftigt.

In unserem Gespräch erklärt sie, dass ihre Tätigkeit als Beraterin in der Wirtschaft zur Arbeits­psychologie sie immer wieder in der Ansicht bestätige, dass wirkliche Leistung auf Freiwilligkeit beruhen müsse und Zwang nicht zum erwünschten Resultat führen könne. Doch gleichzeitig stelle sie fest, dass der Wunsch, über andere zu bestimmen, dem Grundeinkommen am meisten entgegenstehe und zwar in allen politischen Lagern, egal ob aus Machtwunsch, Besser­wisserei oder vermeintlicher Fürsorge heraus. Das Bedingungslose Grundeinkommen stelle die Machtfrage und daran werde sich die politische Umsetzbarkeit auch entscheiden.

Dieses Buch ist für Einsteiger und Fortgeschrittene der BGE-Szene eine empfehlenswerte Lektüre. Es kostet 19,90 € als Buch, 11,99 € als eBook.

 

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2 Kommentare:

  1. Ulrike Haufe
    schrieb am 08.04.18 um 17:35 Uhr ( Permalink ):

    Für mich hat Frau Eva Douma die Sache auf den Punkt gebracht. GE muss von unabhängigen Experten ausgehandelt werden. Ich finde in der heutigen Weltlage muss ein Umdenken der Verteilung stattfinden. Gewerkschaften und Linke sind für mich ungeeignet. Das Zitat von Karl Marx aus den März News des BGE sagt vieles! Ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben – ist meine Devise.

  2. schrieb am 15.04.18 um 13:30 Uhr ( Permalink ):

    „Die Machtfrage“ ist eine gravierende Einschränkung, wenn sie eine Diagnose darstellen soll. Denn danach richten sich dann auch die „therapeutischen“ Strategien.

    Zuerst ist ein Grundeinkommen nämlich eine Rechtsfrage (Recht auf Leben, auf sicheres Leben, auf gesundes Leben etc..), danach ist das Verhältnis der Politik dazu zu beurteilen. Das fällt dann menschenrechtswidrig aus und das ist der Punkt, der völlig andere Strategien ermöglicht, bis hin zur 4. Generation der Menschenrechte:

    http://www.menschenrechte4g.net

    By the way: Das Grundeinkommen wäre auch ein Element der Nachhaltigkeit, weil man damit eine ständige Erhöhung der Kostenwahrheit verbinden kann!

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