2020: Eutopia lässt grüßen

    Ronald Blaschke 02.03.2020 Druckversion

    So viel Eutopie war noch nie. In diesem Jahr stehen vier große Events an zum Thema Eutopie.

    Zuerst aber eine Klärung: Was hat es mit dem Wort „Eutopie“ auf sich? Der Begriff Utopie ist erst einmal relativ neutral. Utopie kann als Nicht-Ort verstanden werden (altgriechisch: οὐ für nicht, τόπος für Ort). Auf Wikipedia heißt es dazu aber weiter: „Bei Thomas Morus, dem Begründer des Genres, handelt es sich bei dem Begriff um ein Sprachspiel zwischen Utopie und Eutopie aus εὖ (eu) „gut“ und τόπος. Dagegen bezeichnet die Dystopie die pessimistische Beschreibung einer unethisch negativen Gesellschaftsordnung.“

    Die Utopie von Thomas Morus enthielt nun definitiv kein Grundeinkommen oder Vergleichbares. In den vier großen Eutopie-Events sieht das mit Sicherheit anders aus. Da wird es um das Grundeinkommen gehen, auch darum, den Zugang zu existenz- und teilhabesichernden Mitteln gebühren- bzw. kostenfrei zu machen. Diese Visionen fügen sich nahtlos ein in einen größeren Gegenentwurf zu den real existierenden Dystopien, die sich von Armut und Gewalt über Klimawandel und Naturausbeutung bis hin zu Zerstörung und Gewalt erstrecken.

    Kommen wir nun konkret zu den vier Events. Den Anfang macht das Event in Frankfurt am Main:

    1. Der utopische Raum im globalen Frankfurt am Main

    Eine bereits laufende Veranstaltungsreihe der Stiftung Medico International in Kooperation mit der Frankfurter Rundschau und dem Institut für Sozialforschung  u. a. mit drei prominenten Befürwortern des Grundeinkommens (Stephan Lessenich, Harald Welzer, Hartmut Rosa). Die haben natürlich nicht nur das Grundeinkommen in petto. Nicht zu vergessen: In diesem Jahr dabei waren auch zwei Macher*innen eines Utopieevents, das im kommenden August in Leipzig stattfinden wird. Die Rede ist von Nina Treu und Kai Kuhnhenn, die bei der gemeinnützigen Organisation „Konzeptwerk Neue Ökonomie“ arbeiten. In der Frankfurter Rundschau gaben sie ihr „Interview aus der Zukunft“.

    Hier findet sich das gesamte Programm: https://www.medico.de/fileadmin/user_upload/veranstaltungen/2019-2020-programm-der-utopische-raum.pdf

    1. Kongress-Festival Soziale Zukunft

    Der Kongress findet vom 11. Juni bis 14. Juni in Bochum statt. In der Ankündigung heißt es: „Es ist an der Zeit zu handeln! Es geht um uns alle – eine Zivilgesellschaft, die sich aufmacht, die Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. 60 Organisationen und Projekte haben sich für das Kongress-Festival als Veranstaltende und Kooperationspartner*innen zusammengeschlossen. Sie stehen für tausende Menschen, die sich unserer gesellschaftlichen Zukunft verpflichtet fühlen. Wir laden Sie alle ein, mit uns und über 150 Referent*innen, Künstler*innen und Projektbetreiber*innen an der riesigen Zukunftsbaustelle zu arbeiten – an einer Gesellschaft, die wir wirklich wollen!“

    Dabei sein wird auch das Netzwerk Grundeinkommen.

    Hier findet sich das gesamte Programm: https://www.sozialezukunft.de/kongress-programm/

    1. Zukunft für alle – Utopie-Kongress

    Das Konzeptwerk Neue Ökonomie organisiert mit vielen Partnerorganisationen und Engagierten einen Utopie-Kongress vom 25. bis 29. August in Leipzig. Darunter ist auch das Netzwerk Grundeinkommen.

    Auf der noch vorläufigen Website heißt es: „Sich die Zukunft vorzustellen, trifft auf Hürden. Alternativen zum Heute sind gespickt mit Ideen der Vergangenheit. Um Ideen und Lösungen für die großen Probleme des 21. Jahrhunderts zu finden, gilt es neue Wege auszuloten, eingeschlagene Schnellstraßen zu verlassen und mögliche Schleichwege zu entdecken. Mit dem Projekt „Zukunft für alle“ wollen wir eine positive Vision entwickeln, die über die kapitalistische Wachstumsgesellschaft hinaus geht und dabei konkret vorstellbar ist. Es geht darum eine neue Geschichte anzufangen, Bilder einer Zukunft zu schaffen, die wir noch nicht kennen.“

    Der Organisator*innen rechnen mit 1.500 Teilnehmenden. Thematisch wird es verschiedene Stränge geben, wie z. B. „Soziale Garantien“. In diesem Strang, aber auch in den anderen Strängen (z. B. zur Digitalisierung, zur Arbeit usw.) kommen garantiert auch das Grundeinkommen und vergleichbare Ideen zur Sprache. Im März gibt es einen Call, der zur Einreichung von Beiträgen aufruft. Im Mai/Juni steht das Programm.

    1. Utopie-Konferenz

    Damit man erst gar nicht aus dem eutopischen Schwung kommt, geht es an der Leuphana-Universität Lüneburg vom 1. bis 4. September gleich weiter.

    In der Ankündigung der Konferenz heißt es: „Die Utopie-Konferenz vom 1. bis zum 4. September 2020 interessiert sich für generationenübergreifende Verabredungen, die über die datenbasierte Wachstumsgesellschaft hinausweisen und demokratiepolitischen Eigensinn kultivieren. Studierende und engagierte Bürger*innen aus der gesamten Republik sind aufgerufen, ihre Ideen zusammen zu denken und in konkrete Utopie-Entwürfe zu übersetzen. Über vier Tage hinweg leuchten sie gemeinsam mit visionären Skeptiker*innen und kritischen Optimist*innen Zukunftspfade aus, die enkeltauglich sind.“

    Das Netzwerk Grundeinkommen hat schon mal vorgefühlt: Auch diese Konferenz wird sicher nicht ohne das Thema Grundeinkommen stattfinden.

    Vier große Events zum Thema Eutopie im Jahr 2020 laden also ein, um über gesellschaftliche Gegenentwürfe zu real existierenden Dystopien nachzudenken und politische Transformationsschritte zu verabreden. Die Grundeinkommensbewegung kann da gut mitmischen.

    Bild: pixabay

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