Junge Europäer*innen und ihre Zustimmung zum Bedingungslosen Grundeinkommen

Dr. Julia Weiß (GESIS), Paulina Holz (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit) und Prof. Dr. Felix Hörisch (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit) haben im Mai dieses Jahres die Ergebnisse ihrer Studie zur Einstellung junger Europäer*innen zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) veröffentlicht.
Die Studie untersucht anhand von Befragungen junger Erwachsener im Alter von 18 bis 35 und deren Eltern, wie sie zum BGE stehen. Befragt wurde in elf Ländern – darunter Deutschland, Spanien, Italien und Griechenland. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Einfluss der politischen Sozialisation im Elternhaus. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Einstellungen der jungen Generation zum BGE variieren signifikant mit denen der Eltern. Befürwortet das Elternhaus ein BGE, befürworten es auch die Kinder signifikant häufiger als sie es ablehnen. Lehnt das Elternhaus ein BGE ab, lehnen es auch die Kinder signifikant häufiger ab als sie es befürworten. Damit widersprechen die Studienergebnisse der gängigen Annahme eines ausgeprägten Generationenbruchs, bezeugen sie doch eine hohe Wertekongruenz zwischen den Generationen.
Darüber hinaus verdeutlichen die Befunde, dass persönliche Erfahrungen mit prekären Lebenslagen die Zustimmung zum Grundeinkommen erhöhen. Auch die wirtschaftliche Lage einer Region und die jeweilige Ausgestaltung des Sozialstaates spielen eine Rolle: In wohlhabenderen Regionen ist die Zustimmung geringer, während sie beispielsweise in Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit stärker ausfällt. Außerdem fällt die Zustimmung in Ländern mit weniger sozialstaatlicher Absicherung höher aus, während sie in Staaten mit großzügigen Leistungen eher schwächer ist.
Der dazugehörige Artikel ist online verfügbar und kann unter folgendem Link abgerufen werden: https://link.springer.com/article/10.1007/s41358-025-00411-2
Autorin: Dr. Julia Weiß ist Senior Researcherin bei GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und beschäftigt sich insbesondere mit Arbeitsmarktpolitik mit einem besonderen Fokus auf junge Erwachsene.
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Ein Kommentar
Ich hatte gerade Gelegenheit zu erfahren, dass auch in feministischen Kreisen in Spanien das BGE als wichtige Massnahme gesehen wird, um besonders ausbeuterische Arbeitsverhältnisse für Frauen ablehnen zu können. Besonders Mütter und Careverantwortliche sehen sich gezwungen, entwürdigende und sehr belastenden Arbeitsbedingungen anzunehmen, um die Menschen, die von ihrer Sorgetätigkeit abhängig sind, vor (noch schlimmerer) Prekarität zu schützen.