Buchkritik: Laotse im Schlaraffenland

Baukje Dobberstein 04.09.2018 Druckversion

Ein Roman zum Bedingungslosen Grundeinkommen – das machte mich neugierig. Direkt nachdem das Rezensionsexemplar in meinem Posteingang gelandet war, schaltete ich meinen E-Reader an und begann zu lesen. Doch schon im ersten Kapitel stellte sich heraus, dass sich der Roman nicht um ein Leben in einer Gesellschaft mit Grundeinkommen dreht.

Stattdessen handelt Henrik Lodes Roman1 von zwei Männern, die über den Zeitraum von einem Jahr bedingungslos jeden Monat ein Grundeinkommen von 1.000 Euro erhalten.

“Mein Grundeinkommen” heißt in dem Buch “Initiative Grundeinkommen” und Michael Bohmeyer2 wird zu Martin Bärenreiter. Er lebt im Roman nicht von der Rendite seines Internet-Start-ups, sondern vom Erbe des Vaters. Die Idee des Grundeinkommens, die der Verein Mein Grundeinkommen e.V. durch seine Verlosungen recht erfolgreich in die Welt trägt, wird literarisch allerdings eher ins Lächerliche gezogen. Bohmeyer alias Bärenreiter kämpft in diesem Buch nicht immer mit lauteren Mitteln um sein Projekt und seinen persönlichen Ruf. Die Privatsphäre der Gewinner wird da schon mal hintangestellt.

Die beiden Protagonisten mit Grundeinkommen melden sich aus finanziellen Bedürfnissen zu der Verlosung an. Der eine, Patrik Vernier, ist unzufrieden mit seiner beruflichen Situation und kündigt folgerichtig sofort nach der Gewinnmitteilung. Er hofft, selbst etwas gründen zu können, das besser zu ihm passt als Fleischmarketing zu einem Vegetarier. Vernier gehört zu den traurigen Romanhelden. Erfolglos auf ganzer Linie, verweigert ihm seine Mitbewohnerin die körperliche Liebe, und die Crowd das Startkapital für seine Unternehmensvision; und so landet er dann mittels Kleinkriminalität sehr schnell im tatsächlichen Arbeitszwang: in Form von Sozialstrafen. Nach einem Jahr hat er mehr Schulden als zuvor, wird Vater eines ungewollten Kindes, hat keinerlei Berufsperspektive, und außer Alkohol fällt ihm dazu nichts ein.

Die andere Hauptfigur, der Tischler Herbert Hansen, schlägt sich bislang als Selbständiger durch, mit “freundlicher” Unterstützung durch das Jobcenter. Auf die Frage, was er mit einem Grundeinkommen tun würde, gibt er ehrlich an: nichts. Doch nach seinem Gewinn er hat das Glück, an eine geschäftstüchtige Freundin zu geraten. Sie vermarktet mit Hilfe der Kontakte ihres Chefs bei der Lokalzeitung seine Holzschnitzereien im Internet. Die Holzfiguren werden zum Verkaufsschlager, auch wenn sie schlussendlich vom Zoll beschlagnahmt werden. Damit kann sich das Paar nicht nur eine Weltreise finanzieren, sondern aus seiner gewonnenen Bekanntheit resultiert auch ein gewisser Wohlstand, der Hansen noch nach dem Grundeinkommensjahr erhalten bleibt.

Insgesamt ist die Lektüre des Buchs ganz unterhaltsam. Mit dem Grundeinkommen hat der Roman aber leider nicht viel zu tun. Die individuellen Beispiele sind wenig aussagekräftig; die Information, dass das Grundeinkommen eigentlich eine gesellschaftspolitische Idee ist und keine Lotterie für Einzelne, sucht man in dem Buch vergeblich.


1 http://www.henriklode.de/laotse-im-schlaraffenland/

2 Michael Bohmeyer ist der Initiator von „Mein Grundeinkommen“, ein Verein der durch Crowdfunding finanzierte „Grundeinkommen“ in Höhe von 1000 Euro monatlich für 1 Jahr verlost.

Bild: Periplaneta Verlag

Ein Kommentar

Cornelia Nicolay-Pigors (früher Nicolay-Danisch) schrieb am 15.11.2018, 21:24 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Schade, hätte gerne erfahren, was Laotse mit dem Thema zu tun hat...... (ich war früher in der Bürgerinitative Grundeinkommen Hannover)..... Ich habe noch nie eine Bemerkung zu einer Rezension in diesem Zusammenhang gemacht.

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