Bedingungsloses Grundeinkommen auf der Anklagebank: Daniel Häni und Philip Kovce stellen ihr neues Buch vor

Patrick Wehner 04.10.2015 Druckversion

Was fehlt, wenn alles da ist - Buchcover

Mit ihrem Buch „Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungs­lose Grund­einkommen die rich­tigen Fragen stellt“ haben Daniel Häni und Philip Kovce im neuen Haus des Bildungs­werks der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin ihre Lese­reise begonnen. Sie gingen mit viel Selbst­ironie in diesen Abend, wie die Tour­managerin Pola Rapatt bei An­moderation anklingen ließ: „Das Buch ist eigentlich Quatsch, denn es ist geschrie­ben, damit die Presse was zu schrei­ben hat.“ Und das ist gar nicht mal so ab­wegig, wie es auf den ers­ten Blick scheint.

Mit dem Buch wollen sie das bedingungs­lose Grund­einkommen nicht nur in die Feuilletons bringen, sondern auch die Volks­abstimmung zum BGE 2016 in der Schweiz medien­wirksam vorbereiten. Mit der Abstimmung haben, trotz der Ablehnungs­empfehlung durch den Nationalrat, die Einwohner des Landes das Privileg, in der Schweiz ein Grundeinkommen einzuführen.

Der Nationalrat hatte vor kurzem erst über den bevorstehenden Volksentscheid beraten und mit überwiegender Mehrheit eine Empfehlung zur Ablehnung gegeben (mehr dazu hier). Dennoch schien es eher, als wenn die ablehnende Haltung mehr mit kollidierenden Wirtschaftsinteressen und der Angst vor Veränderungen zu tun hatte, als mit einer qualifizierten Auseinandersetzung mit dem Thema Grundeinkommen.

Foto: „Daniel Häni liest aus dem Buch“ von Patrick Wehner, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Foto: „Daniel Häni liest aus dem Buch“ von Patrick Wehner, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Auch wenn die Chancen für die Einführung des Grundeinkommens in einem europäischen Land also vorerst schlecht stehen, öffnet die Volksabstimmung die Tür für eine gesamtgesellschaftliche Debatte. Solche Debatten leben davon, dass Fragen gestellt werden. Und Fragen stellt das Buch.

Häni und Kovce bieten keine konventionelle Lesung.  Sie veranstalten ein Kreuzverhör, mit dem Grundeinkommen auf der Anklagebank. Dabei schlüpfen sie in die Rollen von Ankläger und Verteidiger des Grundeinkommens und beziehen das Publikum schon während der Lesung in die Diskussion mit ein.

Wer kritische Fragen stellt, schart natürlich auch Leute um sich, die bestehende Strukturen in Frage stellen. So findet sich auch Ralph Boes im Publikum, der seit mehr als drei Monaten mit einem Hungerstreik gegen Hartz-IV-Sanktionen protestiert. Aber nicht nur Befürworter kommen zu Wort, auch Kritiker der Idee beteiligen sich  rege an der Diskussion.

Foto: „Philip Kovce stellt sich den Fragen des Publikums“ von Patrick Wehner, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Foto: „Philip Kovce stellt sich den Fragen des Publikums“ von Patrick Wehner, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Dabei versuchen die beiden Autoren, für die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen wichtige Begriffe wie Arbeit, Macht und Freiheit neu zu denken und gehen dabei über den Inhalt des Buches hinaus. Ihr Projekt: Denkmuster von ihrem Korsett zu befreien und festgefahrene Wege abseits jeglichen Dogmatismus  neu zu zu pflastern. Die Folgen des bedingungslosen Grundeinkommens sollen für jeden  gedanklich erfahrbar und in immer neuem Licht hin und her gewendet werden können. Indem die beiden Autoren in ihrem Buch Zweifel am Grundeinkommen ansprechen, ermöglichen sie ihrer Leserschaft, insbesondere der Schweizer Bevölkerung, über eine andere Zukunft nachzudenken. Damit wollen sie den Boden für eine informierte und durchdachte Abstimmung  ebnen.

Unter den mehr als 60 Gästen fanden sich dann auch einige bekannte Gesichter der Berliner Grundeinkommensszene, darunter Michael Bohmeyer und Johannes Ponader vom Verein  „MeinGrundeinkommen“, wir vom Netzwerk Grundeinkommen und – wie bereits erwähnt – Ralph Boes, bei dem sich die Autoren, neben Götz Werner, Susanne Wiest und Enno Schmidt, in ihrem Buch ausdrücklich bedanken.

Die Lesereise führt Häni und Kovce an 17 Orte in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Genaue Informationen zu den Veranstaltungen sowie der Buchtrailer und die Möglichkeit, das Buch direkt zu bestellen, finden sich auf der Website des Verlages.

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