Pfingsttreffen 2011

Jörg Brockmann und Gisela Brunken 05.06.2011 Druckversion

Zum vierten Mal findet an Pfingsten nun ein Treffen statt zu dem alle am Thema Grundeinkommen Interessierten eingeladen sind, diesmal in einem Dorf in der Nähe von Göttingen. (Mehr Informationen unter www.grundeinkommen-goettingen.de)

Ein solches Treffen bietet Gelegenheit, andere Menschen, die sich ebenfalls für ein Bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen in lockerer Atmosphäre kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Vor allem sind natürlich auch sich neu für das Thema Interessierende herzlich eingeladen.

Vor einem Jahr war das Pfingsttreffen in Sinzig bei Bonn, davor war es in Osnabrück und das erste Pfingsttreffen 2008 war ebenfalls in Göttingen. Das bietet Gelegenheit für einen kleinen Rückblick.

Wir hatten damals sogar internationale Gäste: Bente Dahl, Abgeordnete der „Radikalen Linken“ aus dem dänischen Bundestag und Peter Voss als Vertreter von BIEN Dänemark hielten je einen Vortrag über die Debatte in ihrem Heimatland. Dort hatte es, ähnlich wie in Holland und Belgien, in den achtziger Jahren eine intensive Diskussion über die Einführung eines Grundeinkommens gegeben.

Inzwischen war das Thema jedoch längst aus dem öffentlichen Bewusstsein wieder verschwunden. Ein Grund hierfür könnte gewesen sein, dass die Debatte sehr an das Thema Arbeitsfähigkeit gekoppelt blieb und zu wenig die Chance der Befreiung des Einzelnen für ein wirklich selbstbestimmtes Leben erkannt worden war.

Arbeitslosigkeit lässt sich eben auch anders staatlich bewältigen als einfach allen ein Bedingungsloses Grundeinkommen zu zahlen. Wie das in Dänemark u.a. durch die Möglichkeit für Arbeitnehmer, sich eine Auszeit zu nehmen oder sich fortzubilden, gelungen war, schilderte Bente Dahl.

Verglichen mit dem deutschen System ist das dänische sehr sozial. So erhalten Studenten in Dänemark z.B. ein Grundeinkommen, unabhängig von ihren Studienleistungen oder dem Einkommen ihrer Eltern. Doch Bente Dahl wünschte sich das System in Dänemark noch sozialer. Besonders fand sie zu kritisieren, dass immer weniger Geld für kulturelle, das Gemeinschaftsleben fördernde Bildung (Volkshochschulen) bereit gestellt werde, im Vergleich zu den Ausgaben für jene Bildung, welche letztendlich der Industrie zugute käme.

Dass sie nicht mehr zu den Befürworterinnen eines Grundeinkommens zähle, begründete Bente Dahl vor allem damit, dass sich ihr durch die Erfahrungen, die sie im Laufe „ihres langen Lebens“ gemacht habe, gezeigt habe, dass die meisten Menschen weniger sozial als „individualistisch“ seien. Mit einem Grundeinkommen würden sich viele Menschen nach ihrer Einschätzung mehr um ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse kümmern als sich sozial zu engagieren.

Peter Voss zitierte in seinem Vortrag danach den französischen Sklavenhalter Boisly d`Anglas: „Man müsse den Besitzlosen lehren, ihre Unterdrückung so zu lieben, dass sie sie gegen jeden Versuch der Befreiung verteidigen.“ Zu der staatlich organisierten „Vollbeschäftigung“ in Dänemark bemerkte er u.a.: „Viele Arbeitslose lieben die Aktivierungsmaßnahmen weil sie dadurch morgens einen Grund haben aufzustehen, weil sie dadurch soziale Kontakte haben und sich auch eine Chance für die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt versprechen. – Doch die anderen, die nicht morgens um 7.00 Uhr aufstehen möchten, werden gejagt wie Freiwild und sie hassen das System.“

Die Beiträge von Pfingsten 2008 aus Dänemark haben an Aktualität nicht verloren, zeigen sie uns doch, wie wichtig es ist, unabhängig von der Arbeitsmarktpolitik für ein Grundeinkommen zu argumentieren.

Und immer noch führen Diskussionen über das Bedingungslose Grundeinkommen zum Thema „Menschenbild“. Solchen Gesprächen wollen wir diesmal besonders Raum bieten, indem wir das diesjährige Treffen unter das Motto „Grundeinkommen und Menschenbild“ gestellt haben. Die Referierenden haben wir diesmal nicht in Dänemark, sondern in unseren eigenen Reihen gefunden. Im ersten Kurzvortrag wird das Bedingungslose Grundeinkommen mit dem christlichen Menschenbild in Zusammenhang gestellt. Im Zweiten wird das Grundeinkommen im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen beleuchtet. Das dritte Referat beschäftigt sich mit der Frage der Arbeitsethik.

Neben diesen inhaltlichen Impulsen geht es uns vor allem darum, einen gemütlichen Rahmen für zwanglose Gespräche und geselliges Beisammensein zu bieten. Für das leibliche Wohl wird kostengünstig gesorgt. Wer möchte, kann am Ort übernachten und am nächsten Tag nach einem gemeinsamen Frühstück am Seminar über die Finanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens teilnehmen.

Anmeldungen nehmen wir bis zum 8. Juni um 13.00 Uhr entgegen, Tel.: 0551 7906630 oder 0551 3072398.

Wir freuen uns auf Euch!

Jörg Brockmann und Gisela Brunken vom Vorbereitungsteam

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