Allgäuer Initiative zum bedingungslosen Grundeinkommen gegründet

Karl-Heinz Blenk und Erna-Kathrein Groll 09.02.2012 Druckversion

Am 13. Januar 2012 wurde in Kempten die „Grundeinkommen. Initiative Allgäu“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, zusammen mit ihren derzeit rund 45 Mitgliedern die Öffentlichkeit in der Region über das bedingungslose Grundeinkommen zu informieren und die Diskussion dazu anzufachen. Gerade Vertreter von Organisationen und Verbänden, die nahezu täglich mit dem Thema der wachsenden Armut und Verelendung in der Gesellschaft konfrontiert sind, wie Caritas und andere kirchliche Verbände, aber auch Ärzte und Lehrer und viele andere sind aus Überzeugung Anhänger der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und deshalb auch Mitglieder in der Allgäuer Initiative.

„Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir uns in der Öffentlichkeit noch lange Zeit mit Stammtischparolen wie ‘Wer würde denn noch arbeiten?’ oder ‘Wer soll das bezahlen?’ auseinandersetzen müssen und als Visionäre belächelt werden. Dennoch sind wir überzeugt, dass die sozialen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre und nahen Zukunft kaum mehr Gestaltungsspielraum bieten, solange wir mit Instrumenten von vorgestern die Probleme von heute und morgen lösen wollen“, machte Erna-Kathrein Groll von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Mitinitiatorin deutlich. „Die sozialen Sicherungssysteme sind den Anforderungen der Zeit nicht mehr gewachsen. Gleichzeitig wird durch die Protestwelle und Demonstrationen im Zuge der seit 2008 anhaltenden Finanzkrisen deutlich, dass die Gesellschaft einen Wertewandel weg von der ökonomisch-kapitalistischen Sichtweise hin zu einem Politikstil erwartet, der vor allem die Menschen im Blickfeld hat“, sind die Initiatoren der Initiative, Karl-Heinz Blenk, Uwe Hardt und Erna-Kathrein Groll überzeugt. Inhalt einer am Menschen orientierten Politik sei auch eine materielle Absicherung der Bürger, um ein Leben in Würde und unter Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen. Dafür steht das bedingungslose Grundeinkommen, das auch von namhaften Personen wie dem dm-Gründer Götz Werner, dem CDU-Politiker Dieter Althaus und Thomas Straubhaar, dem Direktor des Weltwirtschaftsinstitutes in Hamburg, gefordert wird. „Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der ein humanistisches Weltbild Messlatte für politische Entscheidungen sein soll“, machte Karl-Heinz Blenk das Anliegen der Initiative deutlich. Als Einstieg werden sich die Mitglieder im Rahmen eines Workshops in dieses komplexe Thema einarbeiten, um eine breite Grundlage für die Diskussion in der Öffentlichkeit zu schaffen. Neben regelmäßigen Info-Stammtischen sind auch Aktionen geplant, die parallel zum Weltkongress des BIEN (Basic Income Earth Network) vom 14. bis zum 16.9.2012 in München durchgeführt werden. Interessierte können sich mit einer E-Mail an grundeinkommen.allgaeu@gmx.de in eine Verteilerliste für Informationen zum Thema und zu Veranstaltungen eintragen lassen.

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Von links: Karl-Heinz Blenk, Erna-Kathrein Groll (Kreisvorsitzende und Mitglied des Bundesvorstandes der KAB), Uwe Hardt (Geschäftsführer der Caritas Oberallgäu). Foto: Privat.

Ein Kommentar

Wolfram Jenke schrieb am 09.02.2012, 12:42 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Es ist sehr gut und dringend notwendig, dass sich immer mehr Initiativen in sämtlichen Regionen zusammenschließen. Die Bevölkerung ist leider noch hochgradig desinformiert über dieses brandheiße Thema. Es müsste ein Weg gefunden werden, die Aufklärung über das Grundeinkommen im Volke zu potenzieren. Gerade dies müsste doch im Internet durch Schneeballsysteme (in diesem Fall hätte dieser Ausdruck mal eine positive Bedeutung) möglich sein. Es geht im Grunde erst einmal darum, der breiten Masse zwei Befürchtungen schlüssig zu widerlegen: 1. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen geht niemand mehr arbeiten. 2. Das lässt sich nicht bezahlen. Diese Argumente kommen immer, und mit einer Infostrategie würde man den Leuten die Augen öffnen. Die kritische Grenze der heute noch Uninformierten würde erreicht und die Idee würde allgemein zum Thema. Das zu erreichen muss das über allem stehende Ziel sein, um damit die Politik zu zwingen, sich mit dem Grundinkommen zu beschäftigen. Die Politiker könnten dann nicht mehr anders und würden sich gegenseitig überbieten mit entsprechenden Angeboten.

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