Was halten Personal- und Firmenchefs vom Grundeinkommen?

Ronald Blaschke 10.06.2018 Druckversion

Ernst & Young führte im Februar/März 2018 eine telefonische Befragung unter 301 Personalverantwortlichen, Inhabern und Geschäftsführern durch, die in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern tätig sind. Davon sind lediglich 14 Prozent der Auffassung, dass ein Grundeinkommen mehr Vor- als Nachteile bietet, wohingegen sie sich für 42 Prozent die Waage halten. 42 Prozent sehen mehr Nachteile als Vorteile.

35 Prozent sind (eher) der Meinung, dass das Grundeinkommen eines Tages notwendig sein wird, um den sozialen Zusammenhalt und die Zukunft der Gesellschaft zu sichern. 39 Prozent sehen das (eher) nicht so, 25 Prozent sind in dieser Frage unentschieden (vgl. Bilderstrecke auf der Website Personalwirtschaft).

67 Prozent halten das Grundeinkommen für betriebswirtschaftlich schädigend, weil in den unteren Einkommensklassen die Arbeitsmotivation sinken würde. Was die eigene Firma betrifft, erwarten 37 Prozent, dass die Leistungsbereitschaft in der Lohnarbeit sinkt, wohingegen nur fünf Prozent von einem steigenden Einsatz ausgehen (vgl. Ernst & Young).

Ferner ging es darum, mit welchen Auswirkungen des digitalen Wandels die Personal- und Firmenchefs rechnen.

So sehen 39 Prozent die Gefahr sozialer Abkopplung und schwindender Teilhabemöglichkeiten einzelner Gruppen durch den digitalen Wandel als drängendes Problem. Die Umfrage der Ernst & Young GmbH mit den Titel „Geld ohne Leistung? Was Deutschlands Chefs vom Bedingungslosen Grundeinkommen halten“ gewährt aber noch weitere interessante Einblicke in die Denkwelt der Personal- und Firmenchefs: 33 Prozent der befragten Personalleiter und Geschäftsführer erwarten, dass in ihrem Unternehmen Arbeitsplätze wegfallen werden, in der Banken- und Versicherungsbranche erwarten dies sogar 60 Prozent. Neun Prozent gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung zusätzliche neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Zudem fragte die Unternehmensberatung die Personal- und Firmenchefs danach, wie sie sich die Ausgestaltung und Finanzierung des Grundeinkommens vorstellen.

41 Prozent der Führungskräfte halten einen Betrag zwischen 751 und 1.000 Euro für adäquat, um die Bedürfnisse der gesellschaftlichen Teilhabe zu erfüllen. „Damit nennen sie etwa die Höhe der Zuwendungen, die ein Hartz IV-Empfänger erhält“, heißt es auf der Website von Ernst & Young. Positive Aspekte des Grundeinkommens sind nach Einschätzung von 62 Prozent der Befragten die Einsparung von Verwaltungskosten, wenn bisherige Sozialleistungen wie Hartz IV und Wohngeld wegfallen. Auf der Website Personalwirtschaft finden sich noch weitere interessante Vorstellungen bezüglich der Höhe und der Finanzierung des Grundeinkommens: „14 Prozent halten 1001 bis 1250 Euro für adäquat und 24 Prozent sprechen sich für über 1250 Euro aus. In Bezug auf die Finanzierung bevorzugen die Personaler und Geschäftsführer die Konsumsteuer vor der so genannten Robotersteuer; 42 Prozent stimmten dem Vorschlag zu.“

Einschränkend muss gesagt werden, dass nur rund 43 Prozent der Befragten angaben, „sich schon einmal intensiver“ mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigt haben. Mit anderen Worten: 57 Prozent kratzen bei diesem Thema bestenfalls an der Oberfläche. Das schmälert natürlich das Gewicht der erfassten Aussagen und die Aussagekraft der Studie.

Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen werden.

Logo: Von Ernst & Young (EY) – Ernst & Young Marketing Department Deutschland, gemeinfrei

Ein Kommentar

Robert Bleilebens schrieb am 11.06.2018, 20:31 Uhr

Wie hoch die Leistungsbereitschaft ist, hängt ja auch vom Bruttolohn ab und wieviel Prozent davon man zusätzlich zum Grundeinkommen bekommt und natürlich davon, ob die Tätigkeit interessant und befriedigend ist. Außerdem vom Betriebsklima.

Immerhin ist zumindestens ein Teil der Führungskräfte für das BGE. Das ist doch schon ein Fortschritt!

Einen Kommentar schreiben

Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Bitte beachten Sie die Regeln für die Veröffentlichung von Kommentaren.

Sie können diese HTML-Tags nutzen: <a href="" title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <q cite=""> <strong> <pre> <ul> <ol> <li>