Pfingsttreffen 2011 „Menschenbild und Grundeinkommen“ in Diemarden bei Göttingen

Gisela Brunken, Gabriele Schmidt 11.07.2011 Druckversion

Wie in den Jahren davor, so verlief unser Pfingsttreffen in diesem Jahr lebendig und nicht ganz ohne Spannungen.

Am Anfang haben wir eine Goldkrone in die Mitte gelegt, die während der Vorstellungsrunde von den Teilnehmern herumgereicht werden sollte. Einige nahmen diese Krone zum Anlass, sich zu diesem in der Grundeinkommensbewegung verbreiteten Symbol zu positionieren. Die Reaktionen reichten von freudig befürwortend über humorvoll kommentierend bis zur entschiedenen Ablehnung.

Ebenso unterschiedliche Empfindungen löste der erste Redebeitrag aus. Stephan Holzhaus erzählte die Pfingstgeschichte und stellte einen Zusammenhang zwischen der Individualisierung des Menschen und der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens her. Dann folgte ein kurzer Ausflug in die Astrologie. Er erklärte sie als einen möglichen Weg nicht nur zum Begreifen des eigenen Schicksals, sondern auch zum Erlangen weltgeschichtlicher Erkenntnisse. Diese könnten dazu dienen, eine neue Zeit mit grundlegenden Veränderungen in allen denkbaren Bereichen beginnen zu lassen (z.B.: Pluto steht derzeit an gleicher Stelle wie zur Zeit der französischen Revolution.).

Zum Abschluss seines Beitrags stimmte Stephan Holzhaus ein christliches Pfingstlied (`Heilger Geist, Du Tröster mein, kehr in unsere Herzen ein´) an und lud die Teilnehmer zum Mitsingen ein. All dies war für manche Gäste befremdlich, einer verließ sogar die Runde. Auch Holzhausens Vortrag wurde schließlich unterschiedlich bewertet, von völliger Ablehnung, die ihren Kern in der Aberkennung des Wissenschaftsstatus der Astrologie hatte, über neutrale Einschätzungen bis hin zur klaren Anerkennung, dass gerade unser derzeitiges Wissenschaftsverständnis einer Erweiterung durch eine ganzheitliche Sichtweise bedarf.

Als entspannend für die allgemeine Atmosphäre wurde es empfunden, dass Kristof Sardemann, der nächste Redner, für emotionale Widerstände keinerlei Anlass bot. Er begann sein Referat über das Thema Arbeitsethik mit einer kurzen philosophischen Ausführung über den Sinn des menschlichen Lebens. Dieser Sinn könne wohl kaum nur darin zu finden sein, zu arbeiten, zu regenerieren und dafür zu sorgen, dass die nächste Generation ebenfalls auf dem Arbeitsmarkt bestehe. Mit einem geschichtlichen Rückblick zeigte er auf, dass die in unserer Zeit verbreitete Wertung von Arbeit, insbesondere der Erwerbsarbeit, noch eine recht junge Erfindung ist.

Besonders verdeutlichte Kristof Sardemann, wie mit falschen Aussagen über eine angeblich geringe Arbeitslust bei Erwerbslosen heute manipuliert und Politik gemacht wird. Empirische Untersuchungen belegen, dass die Arbeitsmoral von Erwerbslosen die von Erwerbstätigen sogar übertrifft. Um das Bedingungslose Grundeinkommen gesellschaftlich durchzusetzen, sprach er sich dafür aus, die Idee in die großen Verbände, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände usw. hineinzutragen und dabei in den Gesprächen immer dort anzusetzen, wo Gemeinsamkeiten zu finden sind (z.B. beim Begriff Solidarität).

Der dritte und letzte Beitrag hieß „Die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens auf zwischenmenschliche Beziehungen“ und war von mir (Gisela Brunken). Mir ging es weniger darum, Wissen zu vermitteln als etwas anzubieten, um tiefer miteinander ins Gespräch zu kommen. Anhand von Beispielen aus eigener Betroffenheit machten wir uns bewusst, wie einschränkend und zerstörerisch sich das Fehlen eines Grundeinkommens und die heutigen Regelungen mit Hartz IV, Unterhaltsverpflichtungen etc. auf unser Leben auswirken. Es wurde deutlich, wie der Mensch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen in den Mittelpunkt rücken und eine wesentlich humanere Gesellschaft entstehen könnte.

Fast genauso wichtig wie die thematischen Inhalte sind wohl bei solchen Treffen die ausgedehnten Pausen mit Getränken, gutem Essen und persönlichen Unterhaltungen.
Für manche, die zum ersten Mal auf einem Pfingsttreffen waren, war es besonders beeindruckend, zu erleben, wie eine weltanschaulich so bunte Mischung von Menschen über das Grundeinkommen ins Gespräch finden konnte.

Fazit:
Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen konnten, dass es auch in diesem Jahr an Pfingsten wieder neues Kennenlernen und Austausch zum Thema gab.

Bleibt noch die Frage: Welche Initiative richtet im nächsten Jahr ein Pfingsttreffen als Einladung an alle am Thema Bedingungsloses Grundeinkommen Interessierte aus?

Bericht:
Gisela Brunken, Arbeitskreis Grundeinkommen Göttingen unter Mitwirkung von Gabriele Schmidt, BIG (Bremer Initiative Grundeinkommen) und LAG BGE DIE LINKE Bremen (Landesarbeitsgemeinschaft Bedingungsloses Grundeinkommen in der Partei DIE LINKE Bremen)

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