André Gorz: Vermächtnis, Aktualität, politische Notwendigkeiten

    Ronald Blaschke 11.12.2022 Druckversion

    Am 9. Februar 2023 wäre André Gorz 100 Jahre alt geworden. Das Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und das Netzwerk Grundeinkommen nehmen dies zum Anlass für eine öffentliche Abendveranstaltung in Frankfurt am Main.

    André Gorz war für die europäischen sozialen Bewegungen ein anerkannter Vordenker. Aufgrund seiner exzellenten Kritik des Kapitalismus und Neoliberalismus konnte er unorthodoxe Ansätze für Politiken entwickeln, die die Emanzipation von Individuum und Gesellschaft zum Ziel haben. Dabei scheute er nicht den Konflikt mit den politischen Rechten und Teilen der Linken. So zeugen z. B. seine Bücher „Abschied vom Proletariat“, „Kritik der ökonomischen Vernunft“ und „Arbeit zwischen Misere und Utopie“ davon, dass er der (Lohn-)Arbeitsgesellschaft und einem unreflektierten Ökonomieverständnis eine Absage erteilte. Grundeinkommen, Recht auf Multiaktivität und selbstbestimmt-demokratische Gestaltung des Lebensumfelds verweisen auf ein Jenseits eines durch Lohnarbeit vergesellschafteten Menschen. Die späteren Werke von André Gorz antizipieren das emanzipatorische Potenzial einer Wissensgesellschaft und die Gefahren ihrer Vereinnahmung durch die Logik des Kapitals. Wachstumskritik und bedürfnisorientierte Produktion gehören ebenfalls zum Repertoire seiner sozialphilosophischen Überlegungen.

    Der streitbare Sozialphilosoph verabschiedete nicht nur das Proletariat von deren durch Karl Marx einst zugeschriebenen historischen Mission. Gorz brach auch mit dem traditionellen linken Arbeits- und Vergesellschaftungsverständnis. In „Wege ins Paradies“ sah er die Zurückdrängung bzw. Überwindung der Lohnarbeit und der konsumistischen Freizeitgestaltung und Freizeitindustrie als notwendig an – zugunsten einer kooperativen und autonomen Lebensführung der Menschen. Davon versprach er sich auch einen Wandel von der Arbeits- in die Kulturgesellschaft. Ihm war klar, dass es keine ökologische Erneuerung ohne eine radikale Begrenzung der Dynamik kapitalistischer Akkumulation und ohne eine Einschränkung des Konsums geben kann. André Gorz kann uns noch Vieles für die heutige Zeit sagen.

    Hier die Vorankündigung zur öffentlichen Veranstaltung:

    Donnerstag, 9. Februar 2023

    18.30 Uhr bis ca. 20.30 Uhr

    Institut für Sozialforschung

    Sitzungsraum, Senckenberganlage 26, 60325 Frankfurt am Main

    Anmeldung erforderlich: anmeldung@ifs-frankfurt.de  

    Eröffnung:

    Prof. Dr. Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt a. M.

    Vortrag:

    André Gorz – Vermächtnis und Aktualität. Politische Notwendigkeiten für eine neue, moderne Linke

    Prof. Dr. Claus Leggewie, Inhaber der Ludwig-Börne-Professur und Leiter des „Panel on Planetary Thinking“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen

    Interventionen:

    Vergesellschaftung und Gesellschaftlichkeit jenseits von Lohnarbeit

    Ronald Blaschke, Netzwerk Grundeinkommen, Mit-Gründer des Netzwerks, Mitglied des Netzwerkrates

    Mit André Gorz einen Blick in das sozial-ökologisch gerechte Jahr 2048 wagen

    Mascha Schädlich, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Mit-Organisatorin des Kongresses „Zukunft für alle“

    Im Anschluss moderierte Diskussion.

    Die Teilnahme an der öffentlichen Veranstaltung ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich: anmeldung@ifs-frankfurt.de

    Veranstalter: Institut für Sozialforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Netzwerk Grundeinkommen 

    Eine Einführung (Video) zu André Gorz findet sich hier.

    Ein Kommentar

    Charly Hörster schrieb am 28.12.2022, 16:16 Uhr

    Sehr gute Einführung in das Werk von Andre Gorz, lieber Ronald!

    Gorz ist auch einer meiner Lieblingsautoren und eine sinnvolle Ergänzung zu Karl Marx!

    Leider wohne ich nicht in der Nähe von Frankfurt, so dass ich an dem Seminar nicht teilnehmen kann. Schade!

    Beste Grüße von Charly Hörster

    (Mitautor des Buches \"Digitalisierung? -

    Grundeinkommen!\")

    Einen Kommentar schreiben

    Erforderliche Felder sind mit * markiert.
    Bitte beachten Sie die Regeln für die Veröffentlichung von Kommentaren.