Starkes Votum für Grundeinkommen beim Projekt „sozialwort 10+“ der sechzehn christlichen Kirchen in Österreich

Ronald Blaschke 13.01.2015 Druckversion

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In einem einjährigen Prozess wurde das Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich von 2003 im Hinblick auf neue gesellschaftliche Herausforderungen einer Diskussion unterzogen. Bei der 3. Dialogveranstaltung am 3. Dezember 2014 in Wien wurden Handlungsvorschläge erarbeitet, gewichtet und an den Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich übergeben – zu  folgenden Themenbereichen: Arbeit, Lebensverbindungen, Lebensräume, Wirtschaft, Soziale Sicherheit, Frieden, globale Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit. Grundlage dafür bildeten die Rückmeldungen aus über 60 Lesekreisen, zwei Dialog- und weiteren Veranstaltungen.

Das bedingungslose Grundeinkommen zählt zu den fünf am meisten genannten Umsetzungsvorschlägen für das gemeinsame soziale Engagement der christlichen Kirchen in Österreich – und zwar als Vorschlag mit der größten Zustimmung. Auf Platz zwei folgte die Bildung eines „Ökumenischen Netzwerks für alternative ökonomische Ansätze inkl. Geld und Finanzwirtschaft“ und auf Platz drei „Arbeit neu [verteilen]“. Bemerkenswert sind die inhaltlichen Eckpunkte, die für die Vorschläge genannt werden. Diese waren beim Grundeinkommen auch die in Deutschland häufig diskutierten: Entkoppelung von Erwerbsarbeit und Einkommen, Verteilungsgerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechte. Beim Thema Arbeit ging es um Neudefinitionen von Arbeit und Leistung, um Arbeitszeitverkürzung sowie die Umverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit, wobei hier auch der Zusammenhang zum Grundeinkommen diskutiert wurde.

Mögen die Vorschläge aus dem Diskussionsprozess ausreichend Gehör beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich finden und zu politischem Engagement führen! Sehr zu wünschen ist, dass sich auch die Kirchen in Deutschland den genannten Themen stellen. Die jüngste Sozialinitiative des Rates der Evangelischen Kirchen und der Deutschen Bischofskonferenz, also der obersten Gremien der Kirchen in Deutschland, scheint davon weit entfernt. Im Gegenteil: Die „Sozialinitiative“, die 17Jahre nach dem gemeinsamen Sozialwort der Kirchen in Deutschland von 1997 ergriffen wurde, fällt nach Ansicht der Kritiker (auch hier) weit hinter den aktuellen Diskussionsstand in den Kirchen in Deutschland zurück. Das heißt aber auch, dass Grundeinkommensaktivistinnen und -aktivisten in Deutschland stärker mit Christinnen und Christen sowie den Kirchenführungen in den Dialog treten und mit christlichen Grundeinkommensinitiativen kooperieren sollten. Es gibt gute theologische und christliche Argumente für ein Grundeinkommen.

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