Papst: „Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, über ein universales Grundeinkommen nachzudenken…“

Ronald Blaschke 13.04.2020 Druckversion

Papst Franziskus schreibt in seiner Osternachricht an die Brüder und Schwestern der sozialen Volksbewegungen und -organisationen am 12. April 2020:

„Ich hoffe, dass die Regierungen verstehen werden, dass die technokratischen Paradigmen (egal ob sie auf den Staat oder auf den Markt hin ausgerichtet sind) nicht ausreichen, um diese Krise oder die anderen großen Menschheitsprobleme zu lösen. Heute sind es mehr denn je die Einzelnen, die Gemeinschaften und die Völker, die im Zentrum stehen müssen, vereint durch das Ziel zu heilen, füreinander Sorge zu tragen und zu teilen.

Ich weiß, dass Sie von den Vorteilen der Globalisierung ausgeschlossen wurden. Sie erfreuen sich nicht an den oberflächlichen Vergnügungen, mit denen so viele ihr Gewissen betäuben. Und dazu müssen Sie auch noch unter ihren Vorurteilen leiden. Die Übel, die alle heimsuchen, treffen Sie mit doppelter Wucht. Viele von Ihnen leben von einem Tag zum anderen, ohne rechtliche Garantien, die Sie schützen würden. Die Straßenhändler, die Müllsortierer, die Verkäufer auf den Märkten, die Kleinbauern, die Bauarbeiter, die Näherinnen, alle jene, die eine Aufgabe haben, mit der sie Sorge für andere tragen. Sie, die eine inoffizielle, unabhängige oder der Volkswirtschaft zuzurechnende Arbeit tun, haben kein sicheres Einkommen, mit dem sie durch diese Zeit kommen könnten … und die Zeit der Quarantäne ist für sie eine unerträgliche Belastung. Vielleicht ist jetzt die richtige Zeit, über ein universales Grundeinkommen nachzudenken, das die wichtigen und unersetzlichen Aufgaben anerkennt und würdigt, die sie erfüllen; ein Einkommen, das den ebenso menschlichen wie christlichen Leitsatz dauerhaft Wirklichkeit werden lassen kann: Kein Arbeiter ohne Rechte.

Ich möchte Sie auch einladen, über das ‘Danach‘ nachzudenken, denn dieser Sturm wird enden, und seine schwerwiegenden Folgen sind bereits zu spüren.“

Foto: pixabay

4 Kommentare

hansa pilz schrieb am 14.04.2020, 07:46 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Mal ganz ehrlich? Warum nicht. Unsere technologische Entwicklung ist schon soweit, dass wir Produktionen zu mehr als 80% von Maschinen erledigen lassen können. Das Menschen durch ein Grundeinkommen faul werden wage ich zu bezweifeln. Ein jeder Mensch (bis auf sehr wenige Ausnahmen) verspürt den Drang sich irgendwie zu betätigen. Er könnte sich frei Entfalten ohne Druck zu haben sich um seine Existenz zu kümmern. Was wäre das für eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Alle Grundbedürfnisse sind gesichert niemand braucht mehr Angst zu haben sein Heim zu verlieren oder Hunger zu leiden. Schaut euch die Target Salden an es werden Güter sowieso schon die ganze Zeit verschenkt niemand wird das zurück bezahlen. Schaut euch an wie das Geld gedruckt wird wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Das wird niemals zurück bezahlt. Wir müssen uns weiter entwickeln lasst Maschinen die meiste Arbeit machen (und ja es wird Menschen geben die Freiwillig die Maschinen warten werden). Der Mensch wird dann nach und nach seine volle Kreativität und Mitgefühl entdecken und die Gesellschaft wird sich positiv verändern. Keine Machtspielchen mehr..

Klaus Froese schrieb am 14.04.2020, 13:32 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Ein Grundeinkommen ist nun unausweichlich geworden und muss so schnell wie möglich parallel in allen Industrienationen eingeführt werden. Allein durch die technologische Entwicklung und der Erfindung des Prozessors gegen 1970 ist schon seit der Jahrtausendwende ein Trend zu beobachten, das durch den Einsatz von Automatismen und KI's menschliche Arbeitskraft nur durch den Ausbau des Niedriglohnsektors gegenüber den Maschinen konkurrenzfähig bleibt. Nun kommt mit Corona die Motivation der Unternehmen hinzu, den Risikofaktor Mensch zu vermeiden, denn das nächste Virus kommt definitiv. Nur kann niemand den Zeitpunkt seines Erscheinens vorhersagen. Allein auf diese Situation vorbereitet zu sein und um dann konkukurrenzfähig bleiben zu können, wird die Ökonomie dazu zwingen, die Digitalisierung immens voranzutreiben. Maschinen können zwar extrem schnell produzieren und mittlerweile auch zunehmend Dienstleistungen übernehmen, welche bis jetzt dem Menschen vorbehalten waren, aber eines werden sie nie. Sie können nicht konsumieren, um die Balance zwischen Produktion und Konsum aufrecht zu erhalten und werden damit die heutige Ökonomie zerstören. Die Leistungsfähigkeit dieser Technologien steigt zudem exponentiell, während der Mensch schon seit Jahren als Arbeitskraft zu langsam wurde. Maschinen können modernisiert, KI's mit Updates versorgt werden. Der Mensch ist hingegen ist evolutionsgebunden und hat Bedürfnisse, die man zumindest auf minimaler Ebene erfüllen muß. Für mich steht also fest, das Corona nichts anderes als ein Katalysator ist, der die Dauer dieser Entwicklung von möglicherweise noch Jahrzehnten auf Jahre oder sogar nur Monate verkürzen wird. Der Mensch ist als Arbeitskraft obsolet, das Ende der Erwerbsarbeit steht kurz bevor. Aber was geschieht mit der Psyche eines Menschen, dessen Selbstwert von Erwerbsarbeit abhängt ? Der systemisch dazu erzogen wurde, nach dem Grundsatz "Ich arbeite, also bin ich." zu leben ? Dort hilft nur die parallele Einführung eines neuen Bildungssystems, das unser derzeitiges Ausbildungssystem ersetzt und der sofortige Ausbau des Gesundheitssystems mit Psychologen und Psychiatern nebst einer medialen Kampagne, die aufklärt, das "Erwerbsarbeit" und "Arbeit" nicht gleichgesetzt werden dürfen. Tut man dies nicht, werden in den nächsten Jahren soziale Unruhen Gang und Gäbe sein, welche man nur mit repressiven Methoden kurzzeitig in den Griff bekommen wird. Und was das für eine Demokratie bedeutet, dürfte jedem klar sein.

Marita Blessing schrieb am 14.04.2020, 15:56 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

frauen- und menschenrechte-aktiv hat damals, im Jahr 2013, als wir vergeblich versuchten für die europaweite einführung des BGE die erforderlichen 1 Million Unterschriften aus mind. 7 nationen zusammenzubekommen, im Dezember 2013 die BGE-Broschüre als auch einen diesbezüglichen Brief an den Papst in erbärmlichem, doch verständlichen italienisch / oder war es spanisch? geschrieben und ihn gebeten, sowohl für das BGE zu werben, als auch zu den noch bis 14. Jan. 2014 fristablauf fehlenden unterschriften aufzurufen. hatter nicht gemacht. gut, daß er nun davon spricht. die revolutionäre geduld? wann gebiert Europa den Ganzen Menschen?

Trillhaase, Gabriele schrieb am 15.04.2020, 18:18 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Hallo! Ich antworte mit einem Zitat von Heinrich Heine: "Jede Zeit hat ihre Aufgaben und druch die Lösung derselben komt die Menscheit etwas weiter." Es wäre auch die Zeit, wo die katholische Kirche und auch die evangelische Kirche ihre prall gefüllten Schatzkammern öffnet und sie den berühmten "Zehnten" an die Armen der Welt gibt. Vom Gebet kann man sich kein Brot kaufen. Es grüßt Gabriele

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