Grundeinkommen in Namibia – Wiederaufnahme der Zahlungen

Herbert Wilkens 15.05.2014 Druckversion

Seit Mai 2014 wird das BIG (Basic Income Grant) in Otjivera, Namibia wieder ausgezahlt. Die italienische Waldenserkirche macht es möglich.

Große Erleichterung und Freude bei den Einwohnern der Ortschaft Otjivera in Namibia: Seit Mai 2014 erhält jeder von ihnen wieder das BIG (Basic Income Grant) in der ursprünglichen Höhe von 100 Namibia-Dollar.

„Seit Juli 2013 konnte das bereits nach Ende des Pilotprojekts auf 80 namibische Dollar (rund 6€) gekürzte Grundeinkommen nicht mehr an die Dorfbewohner ausgezahlt werden, da die Gelder dafür fehlten. Nun sprang die in Italien beheimatete Waldenserkirche mit ihrem Otto per Mille Funds ein und die Evangelisch-Lutherische Kirche von Namibia ELCRN konnte als lokaler Träger des Projekts die Fortsetzung der Auszahlung für ein weiteres Jahr verkünden“, meldet die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA).

Damit zahlt sich jahrelange beharrliche Arbeit vieler Unterstützer des Pilotprojekts aus. Vor allem viele kirchliche Gruppierungen haben unermüdlich daran gearbeitet, die Dorfbewohner nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Nicht zuletzt ist hier die KASA zu nennen, die beharrlich um Unterstützung geworben hat (Siehe z.B. die Konferenzdokumentation vom Juni 2013. Allerdings ist auch mit der aktuellen Zusage der Waldenserkirche noch keine dauerhafte Lösung gefunden.

Die Initiatoren des Pilotprojekts hatten eine Ausweitung des Basic Income Grant (BIG) auf das ganze Land beabsichtigt. Der Versuch in Otjivero sollte den Nachweis erbringen, dass ein solches System funktioniert und finanzierbar ist. Starke Interessengruppen haben die allgemeine Einführung des BIG bisher verhindert (wir berichteten, z.B. hier und hier). Zurzeit wird eine Erhebung ausgewertet, deren Resultate einen Einblick in die vergangenen Monate ohne das Grundeinkommen ermöglichen sollen. Vor allem die Läden, die nach Beginn des BIG-Projekts gegründet worden waren und sich gut entwickelt hatten, mussten in der letzten Zeit herbe Umsatzeinbußen verkraften.

„Durch die Mittel der Waldenserkirche haben wir nun ein weiteres Jahr, in dem wir mit verstärkter Advocacyarbeit in Namibia und Europa dafür Sorge tragen müssen, dass dieser Politikwandel im Wahljahr 2014 tatsächlich geschieht“, betont Simone Knapp von der KASA.

Mit umgerechnet 8 Euro monatlich für jeden Einwohner unter 60 Jahren (ab 60 erhält man eine karge Altersrente) handelt es sich um nicht mehr als eine Basisunterstützung, ein partielles Grundeinkommen, für sich allein nicht ausreichend, um die Existenz und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu sichern. Aber das Geld wurde bedingungslos ausgezahlt, ohne Antragstellung und Bedürftigkeitsprüfung. Korruption konnte gar nicht erst entstehen. Im Gegenteil, die Einwohner wählten erstmals einen Dorfrat, um die Verteilung des Geldes transparent und gleichmäßig zu sichern.

Obwohl es sich pro Person nur um einen so geringen Betrag handelte, wurde der Beweis erbracht (siehe Schlussbericht), dass die wichtigsten Armutsprobleme auf diese Weise wirksam bekämpft wurden:

  • Der Hunger verschwand weitgehend.
  • Die Gesundheitsfürsorge verbesserte sich.
  • Der Schulbesuch nahm zu.
  • Die eigenverantwortliche Erwerbstätigkeit stieg.
  • Die Kriminalität nahm ab.
  • Prostitution als typischer Armutserwerb war nicht mehr nötig.

Aus dem Pilotprojekt in Namibia, das über 24 Monate bis Ende 2009 lief, lassen sich somit wertvolle Schlussfolgerungen ziehen. Es hat sich dort gezeigt, dass Sozialtransfers geeignet sind, in sehr armen Entwicklungsländern die Armut wesentlich zu mindern und Kräfte für einen selbsttragenden Aufschwung freizusetzen. Es kommt dabei darauf an, dass das Geld an jede einzelne Person gezahlt wird, und zwar, anders als bei der traditionellen Sozialhilfe, ohne Nachweis einer besonderen Bedürftigkeit und – bis auf die Buchführung und die Auszahlungstechnik – völlig bürokratiefrei.

Wenn Menschen selbstbestimmt ihre Wahl treffen können, wie sie ihre Lebensumstände verbessern wollen, kann es ihnen auch gelingen.

Ein Kommentar

Joachim Winters schrieb am 03.11.2016, 15:48 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Update durch Beitrag der Deutschen Welle 31.10.16 http://www.dw.com/de/big-in-namibia/av-36211929

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