Trauer um Lieselotte Wohlgenannt

In den letzten Jahren traf ich Lieselotte mehrmals in Wien. Die wache Kritikerin des bestehenden Sozialstaates überraschte mich immer wieder mit ihren kurzen und klaren Analysen. Besonders in Erinnerung blieb mir ihr 85. Geburtstag, zu dem ich ihr im Namen unseres Netzwerks gratulierte. Man sah ihr die Freude über die vielen Ehrungen an.

Die langjährige Mitarbeiterin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) war wesentlich beteiligt an der Gründung des Netzwerkes „Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Austria„, das sie auf den europäischen und internationalen BIEN-Kongressen vertrat.
Zu ihrem 85. Geburtstag im Jahr 2016 gab sie der Katholischen Presseagentur Österreich ein vielbeachtetes Interview. Darin plädiert sie u. a. für die Einführung einer Ressourcensteuer, um das Grundeinkommen zu finanzieren. Profite aus den gemeinsamen Gütern dieser Erde wie Land, Luft, Energie etc. sollen allen Menschen zugutekommen.
Philippe van Parijs schreibt treffend in seinem Nachruf: „Zusammen mit Irlands Maire Mullarney und Schottlands Annie Miller war sie eine dieser starken, engagierten, selbstlosen Frauen, die dazu beigetragen haben, die zerbrechliche Flamme des Grundeinkommens am Leben zu erhalten, lange bevor sie die Welt entzündete.“
Fotos: Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe), Lieselotte Wohlgenannt / ksoe_Mullan