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Trauer um Lieselotte Wohlgenannt

Die international bekannte Grand Dame des Grundeinkommens Lieselotte Wohlgenannt ist Ende Mai gestorben.

In den letzten Jahren traf ich Lieselotte mehrmals in Wien. Die wache Kritikerin des bestehenden Sozialstaates überraschte mich immer wieder mit ihren kurzen und klaren Analysen. Besonders in Erinnerung blieb mir ihr 85. Geburtstag, zu dem ich ihr im Namen unseres Netzwerks gratulierte. Man sah ihr die Freude über die vielen Ehrungen an.

Lieselotte Wohlgenannt wurde 1931 in Stuttgart geboren. Sie und Herwig Büchele veröffentlichten 1985 das Buch „Grundeinkommen ohne Arbeit. Auf dem Weg zu einer kommunikativen Gesellschaft [1]“, von dem 2016 die verlinkte erweiterte Neuauflage erschien. 1990 folgte unter dem Titel “Den öko-sozialen Umbau beginnen: Grundeinkommen [2]“ ein zweites gemeinsames Buch. 2002 erschienen ihre „10 Gründe, wozu heute ein Grundeinkommen notwendig ist [3]“ – ein weiterer lesenswerter Klassiker der deutschsprachigen Grundeinkommensliteratur.

Die langjährige Mitarbeiterin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe) war wesentlich beteiligt an der Gründung des Netzwerkes „Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Austria [4]„, das sie auf den europäischen und internationalen BIEN-Kongressen vertrat.

Zu ihrem 85. Geburtstag im Jahr 2016 gab sie der Katholischen Presseagentur Österreich ein vielbeachtetes Interview [5]. Darin plädiert sie u. a. für die Einführung einer Ressourcensteuer, um das Grundeinkommen zu finanzieren. Profite aus den gemeinsamen Gütern dieser Erde wie Land, Luft, Energie etc. sollen allen Menschen zugutekommen.

Philippe van Parijs schreibt treffend in seinem Nachruf [6]: „Zusammen mit Irlands Maire Mullarney und Schottlands Annie Miller war sie eine dieser starken, engagierten, selbstlosen Frauen, die dazu beigetragen haben, die zerbrechliche Flamme des Grundeinkommens am Leben zu erhalten, lange bevor sie die Welt entzündete.“

Fotos: Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe), Lieselotte Wohlgenannt / ksoe_Mullan