Grundeinkommen beim DGB und beim Umweltfestival

Veit Pakulla 16.06.2016 Druckversion

Stand-beim-DGB Berlin2016

1.-Mai-Fest 2016 in Berlin (Foto Mechthild Bock)

Bei zwei großen Berliner Veranstaltungen war auch das Grundeinkommen wieder dabei: beim 1.-Mai-Fest des DGB und beim Umweltfestival Anfang Juni. Vertreter der Initiative Grundeinkommen Berlin und der Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen Berlin stellten sich am Infostand den Fragen des Publikums. Die waren zwar ähnlich wie 2014, aber wenigstens fragte niemand mehr, was ein Grundeinkommen eigentlich sei. Und einige, die sich den Begriff nicht hatten merken können oder wollen, sagten immerhin so etwas wie „ach, dieses unbedingte Mindesteinkommen“.

Die Tage am Stand, an dem Zehntausende vorbeikamen, vergingen rasch. Die BGE-Broschüren des Netzwerks Grundeinkommen mit den Playmobil-Figuren reichten auch dann nicht, als wir schon für Nachschub gesorgt hatten. Sie hatten schon im vergangenen Jahr reißenden Absatz gefunden. Auch das andere Infomaterial lief wieder gut.

„Schade, dass derzeit keine der im Bundestag vertretenen Parteien das bedingungslose Grundeinkommen im Programm hat“, war immer wieder zu hören. Auch Bedauern darüber, dass Deutschland keinen bundesweiten Volksentscheid kennt, bei dem man zum Beispiel über ein Grundeinkommen abstimmen könnte. Anlass für den Wunsch nach einem Volksbegehren war die weltweit erste Volksabstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen am 5. Juni in der Schweiz. Am 5. Juni waren wir mit unserem Stand auf dem Umweltfestival und konnten ab dem frühen Nachmittag den zahlreichen Interessierten, die zum Teil eigens deshalb auf uns zugekommen waren, frisch aus dem Internet die vorläufige Hochrechnung aus der Schweiz nennen: 22 Prozent für ein BGE. Die Reaktionen reichten von „schade“ über „war nicht anders zu erwarten“ bis „immerhin“. Am nächsten Tag lag das Abstimmungsergebnis dann bei 23,1 Prozent für das BGE.

Was sich an den Ständen deutlicher zeigte als in den Vorjahren, war die Internationalität des Themas. Menschen auf Englisch oder mit Akzent nach dem Basic Income fragen zu hören, sind wir gewöhnt. Doch dieses Jahr suchte uns spontan Ed Murphy von der Initiative Basic Income Ireland auf, der gerade wegen eines BGE-Projekts in Berlin war. Er sagte, auch in Irland sei man stark an Erwerbsarbeit orientiert. Mancher talentierte junge Mann begehe dort Selbstmord, wenn er dauerhaft keine Erwerbsarbeit finde. Und eine sehr gut Deutsch sprechende US-Amerikanerin versah ihre Jacke an unserem Stand mit einem BGE-Aufkleber, denn hier wie in den USA gebe es gute Gründe für ein Grundeinkommen. Zwei Niederländer, die wir mit ein paar Brocken Niederländisch ansprachen, wussten bereits, worum es ging. Auf Englisch behaupteten sie, das BGE werde schon in einigen niederländischen Städten ausprobiert. Und zwei Schweizerinnen berichteten, dass sie bei der Volksabstimmung für das Grundeinkommen gestimmt hatten.

Weil inzwischen fast jeder das bedingungslose Grundeinkommen kennt, fragte ich meinen Freund und Mitaktivisten Robert Ulmer, ob ein Infostand zu einem so populären Thema eigentlich noch nötig sei. Seine Antwort: Gerade weil das BGE nun weithin bekannt ist, ist es wichtig, das Interesse aufzugreifen und auch auf der Straße präsent zu sein, Gespräche zu führen und Infomaterial anzubieten. Wir werden also auch in den kommenden Jahren wieder am Infostand stehen.

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