Glücksministerin befürwortet Grundeinkommen

Gina Schöler hat Kommunikations­design studiert und ist europaweit als deutsche Glücksministerin unterwegs, um mit den Menschen gemeinsam das Glück zu erarbeiten und greifbar zu machen. In Form von Vorträgen, Workshops, Veranstaltungen oder interaktiven Aktionen zeigt sie auf kreative Weise auf, wieviel Spaß es machen kann und wie wichtig es ist, sich um das gute Leben zu kümmern.

Nach einer Veranstaltung zum Grundeinkommen in Kiel führte ich ein kurzes Interview mit ihr:

Frau Ministerin, was hat Sie auf die Idee eines Glückministeriums gebracht und welche Erfahrungen haben Sie inzwischen in den Gesprächen mit den Menschen gesammelt?

„Mit dieser Initiative stelle ich wichtige Fragen des Lebens kreativ in den Mittelpunkt, lade zum Reflektieren und Diskutieren ein und motiviere durch bunte und alltagstaugliche Aktionen und Angebote Menschen dazu, sich aktiv für das persönliche und gesellschaftliche Wohlbefinden einzusetzen. In Hinblick auf das überall vorherrschende „Höher, schneller, weiter, mehr“ wird einem schnell klar, dass dies keine gesunde und nachhaltige Entwicklung in unserer Gesellschaft ist, der auf positive Weise etwas entgegengesetzt werden muss. Und das ohne Zeigefinger, sondern mit viel Spaß und Freude an Veränderung. Das ist die Mission des interaktiven Kunstprojekts ‚Ministerium für Glück und Wohlbefinden‘. Die Begeisterung und das Feedback aus der Bevölkerung sind seit Beginn an enorm und die Menschen sehnen sich nach neuen Sichtweisen, kreativen Ansätzen und der Idee, neue utopisch erscheinende Visionen einfach mal in die Tat umzusetzen. Ganz nach Mark Twain: ‚Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner bis sich die Sache durchgesetzt hat.‘

Was halten Sie persönlich von der Idee des Grundeinkommens? Könnte es Ihrer Meinung nach zu mehr Glück für alle führen?

„Bei all den ministerialen Veranstaltungen, Vorträgen und Seminaren und auch innerhalb der Online-Community erfahre ich täglich, wie groß der Bedarf am Umdenken ist, denn viele Menschen stoßen an ihre Grenzen, suchen nach etwas Neuem und fühlen sich gefangen in einer Art Korsett all dieser ‚Wenn’s und Aber’s‘ – Sie sehnen sich nach Entschleunigung und Sinnhaftigkeit. Manchmal wissen sie noch nicht genau, was dies ist, da sie keine Zeit haben, sich frei zu entfalten und sich selbst samt all der Stärken, Wünsche und Talente (wieder) kennenzulernen. Hier würde ein Grundeinkommen eine Art ‘Back up‘ verschaffen, welches die Menschen dazu befähigen und motivieren würde, sich aus der sicheren Komfortzone herauszutrauen und etwas Neues zu wagen. Daraus würden mit Sicherheit viele neue Ideen und soziale Innovationen entstehen, was sicherlich unserem Bruttonationalglück zuträglich wäre.“


Gina Schöler gab mir nach dem kurzen Interview noch eine Buchempfehlung:

Gina Schöler (2016), Das kleine Glück möchte abgeholt werden. 222 Anstiftungen vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden, Campus: Frankfurt am Main/New York

Foto: Elmar Witt

 

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4 Kommentare:

  1. Bernhard Meisel
    schrieb am 17.11.17 um 15:00 Uhr ( Permalink ):

    Das bedingungslose Grundeinkommen als eine Art ‚Back up‘ zur Steigerung unseres Bruttonationalglücks klingt irgendwie gut!

  2. schrieb am 02.12.17 um 12:11 Uhr ( Permalink ):

    Der Weg wird noch sehr steinig werden, keine Frage. Aber er muss beschritten werden. Alle die, die heute in Jobcentern und auf dem Arbeitsmarkt inhuman behandelt werden wissen, dass im und am System etwas nicht stimmt. Änderungen sind also dringend und zwingend.

  3. Markus Fenner
    schrieb am 29.12.17 um 10:18 Uhr ( Permalink ):

    Guten Tag

    Leider hat das bGE sehr wenig mit Glück, und sehr viel mit Konsum auf Kosten Anderer zu tun. Deshalb sollte eine „Glücksministerin“ den Kapitalismus fördern, anstatt Alles von den noch Arbeitenden Anderen zu fordern. Eine Frechheit ist das!

  4. schrieb am 21.01.18 um 20:17 Uhr ( Permalink ):

    Wichtig ist, heute, wie am ersten Tag, dass ein Grundeinkommen keine Frage des Geldes ist. Es ist eine Frage der Kultur! WIE wollen wir leben? – nicht: wovon können wir leben. Wollen wir Grundeinkommen DENKEN können? Alles Andere ergibt sich später daraus! Aphoristisch gesprochen: Wo viel Wille ist, sind auch viele Wege! Gehen wir endlich los!

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