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„Zur Freiheit berufen – Christen für ein Grundeinkommen“

Der Diözesanverband Köln der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung hat ein Fachbuch mit dem Titel „Zur Freiheit berufen – Christen für ein Grundeinkommen [1]“ herausgegeben, das Ende November erschienen ist.

Die KAB im Erzbistum Köln beschäftigt sich schon seit ein paar Jahren mit der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Die KAB Deutschlands [2] setzt sich seit ihrem Bundesverbandstag 2007 für die Idee ein und hat mit dem „Garantierten Grundeinkommen [3]“ ein eigenes Modell entwickelt: Jede Bürgerin, jeder Bürger  hat einen individuellen gesetzlichen Anspruch auf eine bedingungslose und menschenwürdige Existenzsicherung durch das Gemeinwesen, ohne gegenseitige Anrechnung im Rahmen von Bedarfsgemeinschaften. Das soziokulturelle Existenzminimum soll damit gewährleistet sein, d. h. es soll eine dem sozialen und kulturellem Standard entsprechende Lebensführung, gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme ermöglichen. Das Grundeinkommen ist für die KAB ein emanzipatorisches Projekt.

Der wirtschaftliche Wandel, den wir erleben, wird beschrieben mit den Begriffen Globalisierung, Flexibilisierung, Individualisierung und Digitalisierung. Der Gesellschaft droht die Spaltung durch den Verlust des sozialen Zusammenhalts. Arbeit und soziale Sicherung sind jedoch die Grundlagen einer sozial befriedeten Ge­sellschaft. Es ist an der Zeit, beides wieder neu zu denken.

Mit dem Konzept des Garantierten Grundeinkommens setzt die KAB dieser Krise der Arbeit ihre positive Vision einer Tätigkeitsgesellschaft entgegen, die  sich an der Würde des Men­schen orientiert. Sie will Leben und Arbeit, individuelle  Freiheit und sozialen Zusammenhalt in einen neuen Einklang bringen. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, brauchen wir eine grundlegende Reform der sozialen Sicherung, die den Wandel der Arbeit berücksichtigt und auf Solidarität, individuelle  Freiheit und Selbstbestimmung setzt.

In dem Buch geht es nicht primär um das KAB-Modell, sondern Expertinnen und Experten aus verschiedenen Professionen und Fachrichtungen beleuchten bestimmte Aspekte oder Herausforderungen vor dem Hintergrund der Idee eines BGE.

Im ersten Kapitel wird die Frage behandelt, was Katholische Soziallehre, der Begriff der Freiheit und die Idee des Grundeinkommens miteinander verbindet. Die Krise der Arbeit und das Menschenrecht auf soziale Sicherheit fordern uns zu neuen Lösungen gesellschaftlicher Fragen heraus.

Das zweite Kapitel widmet sich den Zeichen der Zeit: Wie kann das Grundeinkommen vor Armut schützen, was kann es für die Care-Krise bedeuten und was zu einer sozial-ökologische Transformation „Vom Haben-Müssen zum Sein-Können“ beitragen?

Um die kritische Frage der Finanzierung eines BGE geht es in Kapitel drei. Es gibt fast so viele Finanzierungsvorschläge wie Grundeinkommensmodelle. Es gibt sowohl Rechenmodelle, die die Finanzierbarkeit eines BGE nachweisen, als auch die, welche sie widerlegen sollen. Dies wirft auf die Grundfrage zurück: Wie wollen wir leben und arbeiten und was sind wir bereit dafür einzubringen?

Und so geht es konsequenterweise im letzten Kapitel darum, welche Schritte zur Umsetzung eines Grundeinkommens jetzt schon gegangen werden bzw. möglich sind. Klein anfangen mit einem Kinder- und Jugendgrundeinkommen? Bietet das Rentenmodell der katholischen Verbände eine Möglichkeit zur Verhinderung von Altersarmut? Aber auch realpolitische Teilschritte, wie die Schaffung einer kostenlosen Infrastruktur, sind denkbar. Erste Erfahrungen von  Versuchen zur Umsetzung wurden bereits gemacht, wie z. B. im Rahmen eines Pilotprojekts in Namibia oder durch die Berliner Initiative „Mein Grundeinkommen“, das seinen  Gewinnern*innen ein Sabbatical ermöglicht. Außerdem beschreibt ein ehemaliger Sozialamtsleiter seine Sicht der Dinge. Man müsse die Grundsicherung mit ihren Überprüfungen, Bedarfsgemeinschaften und Sanktionen überwinden und zu einem bedingungslosen Grundeinkommen gelangen, dass uns ein Leben und Arbeiten in Freiheit und Würde garantiert.

Autoren der einzelnen Beiträge im Buch sind:

Margit Appel, Dr. Magdalena Holztrattner, Prof. Dr. Franz Segbers, Dr. Michael Schäfers, Prof. Dr. Ute Fischer, Dr. Antje Schrupp, Dr. Ulrich Schachtschneider, Prof. Gerhard Bäcker, Lisi Maier, Andreas Luttmer-Bensmann, Norbert Baumgarten, Simone Knapp, Claudia Cornelsen

Zum Buch:

KAB Diözesanverband Köln (Hg.): Zur Freiheit berufen. Christen für ein Grundeinkommen, Bonifatius Verlag, 2019, ISBN 978-3-89710-829-5, kartoniert, mit farbigen Abbildungen, 174 Seiten, 18,90 Euro (D)

Zum Autor:

Winfried Gather ist Mitglied des KAB Diözesanverbandes Köln. Die KAB Deutschlands ist Mitglied im Netzwerk Grundeinkommen.