Grundeinkommen statt künstliche Arbeitsplatzsicherung

Ronald Blaschke 26.06.2020 Druckversion

Wollen wir in eine Normalität zurückzukehren, die schon lange keine Zukunft mehr hat? Das fragt Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatoren der Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland und Mitglied bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, in der Berliner Tageszeitung taz. Und meint: Wer eine neue, bessere Welt will, muss auch der alten Welt den Rücken kehren.

In dem „taz“-Beitrag bemerkt Luisa Neubauer zu Recht:

„Und weil Bewährtes mächtiger ist, bleiben die guten neuen Ideen ein Beiwerk, zur dröhnenden Normalitätsmaschinerie, die in ihrer rücksichtslosen Sperrigkeit den Gegenwartsraum einnimmt. Genau dieser Mechanismus verhindert, dass aus Corona-Politik mehr wird als eine sehr teure Wiederbelebung einer maroden Wirtschaft. Man erhält alles, was es schon lange gab. Und hat irgendwer eine neue Idee, verspricht man im besten Falle noch mehr Geld, wir wollen ja Innovationen fördern. Auf die Idee aber, dass Innovationen Platz brauchen, kommt man nicht, und wenn doch, expandiert man nach oben (Flugtaxen), nach unten (Fracking) oder nach rechts und links (gestatten, Exportnation). Deshalb wird das coronabedingte Konsumtief nicht als erster Schritt Richtung zukunftsfähiges Einkaufsverhalten gewertet, sondern als Aufforderung verstanden, über Einkaufsgutscheine zu fantasieren. Hier wird nicht aufgehört, hallt da mit, auch nicht mit dem Überflusseinkaufen. Deshalb verspricht man veralteten Industrien Milliarden, statt zu überlegen, ob die künstliche Arbeitsplatzsicherung nicht spätestens jetzt ein Ende finden sollte, um die Türen zu öffnen für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Meinetwegen können wir das auch Lebensinnovationsprämie nennen.“

Ich würde etwas umfassender zuspitzen: Ja, wir brauchen Innovationen, nämlich Innovationen, die allen Menschen auf dieser Welt ein gutes und gesundes Leben ermöglichen. Nicht solche, die business as usual betreiben.

Meine Vorschläge für gute Innovationen in Deutschland, in Europa und weltweit sind:

  1. Radikale Demokratisierung der gesellschaftlichen Institutionen, der Wirtschaft, der Handels- und Finanzbeziehungen
  2. Radikale Kehrtwende bezüglich der Ausbeutung und Zerstörung von Natur, Stopp Klimawandel
  3. Radikale Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung notwendiger Arbeit, inkl. Care-Arbeit
  4. Soziale Garantien für alle (Grundeinkommen, Bürgerversicherung und gebührenfreie soziale Infrastruktur und Dienstleistungen), also ein universelles, inklusives Sozialsystem durch radikale Rückverteilung.

 

Fotos: https://de.wikipedia.org/wiki/Luisa_Neubauer#/media/Datei:Luisa_Neubauer_03.jpg, unter CC BY-SA 4.0 https://de.wikipedia.org/wiki/Luisa_Neubauer#/media/Datei:FridaysForFuture_protest_Berlin_08-11-2019_22.jpg, unter CC0

2 Kommentare

Hans-Jürgen Hartmann schrieb am 27.06.2020, 23:34 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Hoffentlich ist es bald eine Realität...Ohne Grundeinkommen keine Freiheit...Ein bedingungsloses Grundeinkommen hätte ein gesundes und nachhaltiges Wirtschaften zur Folge...Und eine Freude am Arbeiten ..Miese Jobs müssten dann besser bezahlt werden...Es gäbe erst dann einen richtigen Arbeitsmarkt mit Angebot und Nachfrage..Und durch eine Konsumsteuer würden wir uns gegenseitig das bedingungslose Grundeinkommen finanzieren..Alle anderen Steuern sollten dann auch wegfallen...Wer viel konsumiert sollte auch viel Steuern zahlen..Insbesondere Luxuswaren sollten höher besteuert werden als Grundnahrungsmittel...Für all dies bräuchten wir einen bundesweiten ..europaweiten ..Volksentscheid..

Wolfgang Klotz schrieb am 05.07.2020, 09:40 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

" Wer eine neue, bessere Welt will, muss auch der alten Welt den Rücken kehren. " Damit hat Luisa Neubauer ja recht. " Alte Welt " in Sachen Klima ist ja wohl, die Erderwärmung über CO2 Reduzierung stoppen zu wollen. "Alte Welt" ist eben auch, dass sich alles rechnen muss. Über "Finannzierbarkeit" des Grundeinkommens reden, ist freiwillige Gefangenschaft in der schönen alten Welt. Zu klären wäre, das "Geld" eben nicht das Primat hat. Sondern die Umwelt und der Mensch. Und leider ändern sich nix mit Freitags Schulschwänzen und ähnlichem. Zum Grundeinkommen: Das hat seine Berechtigung, da alles im Überfluss vorhanden ist. Es ist falsch, es ist ungerecht verteilt.

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