Grundeinkommen und Soziale Arbeit

Grundeinkommen und Soziale Arbeit sind schon aus einem einfachen Grund zusammengehörig: Wenn SozialarbeiterInnen möchten, dass diejenigen, die bei ihnen Unterstützung suchen, nicht in Armut leben müssen und selbstbestimmt leben können, ist klar: Repressive oder bedürftigkeitsgeprüfte Grund- oder Mindestsicherungen, die die Betroffenen abschrecken und stigmatisieren, können nicht die Lösung sein.

Ein Text aus Österreich fragt nach weiteren Potentialen des Grundeinkommens für die Soziale Arbeit. Das Grundeinkommen, so die Argumentation, würde eine Stärkung von sozialarbeiterischen Ansätzen und Paradigmen befördern, „welche die letztendliche Entscheidungskompetenz der Klient*innen anerkennt und die Autonomie der Lebenspraxis der Klient*innen respektiert“. Außerdem würden, und das wäre der positive Effekt auch auf der Seite der SozialarbeiterInnen, die „Ökonomisierungstendenzen in der Sozialen Arbeit, die quantifizierend-betriebswirtschaftlichen Logiken unterliegen, gezügelt.“

Was heißt das? Das heißt, dass die bedingungslose Zusicherung der monetären Ressourcen für die Existenz- und Teilhabesicherung diejenigen, die Unterstützung suchen, und die SozialarbeiterInnen, von dem gemeinsamen nerven- und zeitraubenden alltäglichen Kampf um das Lebensnotwendige mit den Sozialbehörden befreit. Somit würde Kopf und Zeit frei für die notwendige psychosoziale Arbeit und Unterstützung. Auch die oft offen oder subtil erfolgende Aufforderung an Sozialarbeitende, ihre KlientInnen auf Teufel komm raus „arbeitsmarktfähig“ und schnell „funktionsfähig“ zu machen, wäre wirkungslos.

Diese positiven Effekte würden natürlich nicht bei einem partiellen Grundeinkommen eintreten, welches gerade mal ein bloßes Überleben anbietet – und somit wieder den alltäglichen Kampf ums Notwendige in den Mittelpunkt rückt oder „Arbeitsmarkt- und Funktionsfähigkeit“ zu einem schnell zu erreichenden „Muss“ macht.

Allerdings, und das macht der Text auch deutlich, gilt es, nicht die Menschen mit dem Grundeinkommen zu bloßen passiven KonsumentInnen zu degradieren. Dagegen wären solche Modelle aus Sicht der Sozialen Arbeit zu befürworten, die „inklusionsfördernde Potentiale aufweisen“. Inklusion meint, dass die Unterstützung Suchenden nicht nur mit Geld abgesichert, sondern weitere gute Bedingungen dafür vorfinden, sich in das gesellschaftliche Leben einzubringen: „Aus Sicht der Sozialen Arbeit bedarf es dazu eines Rechtsanspruchs auf und unentgeltlichen Zugang zu basalen sozialen Gütern und Dienstleistungen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und damit inklusions- und autonomiefördernd wirken. Dazu zählt etwa Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und -vorsorge, leistbares Wohnen und eine verbesserte Arbeitsmarktpolitik sowie der Zugang zu Erwerbsbeteiligung.“ Zu ergänzen wäre: die diskriminierungsfreie Möglichkeit der politischen und bürgerschaftlichen Teilnahme an der Gestaltung des Gemeinwesens, oder die Möglichkeit, solidarische ökonomische Kooperationen im sozialen Nah- oder Fernbereich einzugehen.

Anders ausgedrückt: Eine freie Gesellschaft ist so frei, allen Mitgliedern, die zeitweise oder dauerhaft eine besondere Unterstützung möchten, die Freiheit von materieller Not und die Freiheit zu uneingeschränkter, stigmatisierungs- und barrierefreier gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. All das entlastet natürlich auch die SozialarbeiterInnen: Weil diejenigen, die die Unterstützung wünschen, bereits durch eine solche menschliche Verfasstheit des Gemeinwesen gestützt werden.

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