Netzwerk Grundeinkommen begrüßt 3000stes Mitglied
Am 24. Februar war es soweit: Mit dem Beitritt von Jan Hansen aus Ahrensburg erreichte die Zahl der Einzelmitglieder des Netzwerks Grundeinkommen erstmals die 3.000.
Im Jahr 2010 sind knapp 400 Personen dem Netzwerk beigetreten, was einem Zuwachs von 15,6 Prozent entspricht. Am Jahresende waren 2.948 Personen und 93 Organisationen Mitglied.
Zur Feier des Ereignisses erhält das 3000ste Mitglied ein Informationspaket mit Buch, Flyern und Aufklebern sowie ein exklusives T-Shirt mit Netzwerk-Logo.
Reimund Acker, im Netzwerkrat zuständig für die Mitgliederbetreuung, sprach mit Jan Hansen:
Acker: Willkommen im Netzwerk Grundeinkommen, Herr Hansen! Wie sind Sie eigentlich auf die Idee des Grundeinkommens gestoßen, und wann war das?
![]() Jan Hansen |
Hansen: Das ist schon eine Weile her, so vor 3 bis 4 Jahren. Da hat mir ein Freund davon erzählt, der in allen möglichen Sachen sehr beschlagen ist. Und das erste, was ich sagte, war: Das kann doch nicht funktionieren. Wegen dieser Anreizgeschichte [Argument, dass mit BGE niemand mehr arbeiten würde, R.A.]. Aber so richtig in die Sache reingehängt habe ich mich erst, nachdem ich die E-Petition von Susanne Wiest unterschrieben hatte. |
Acker: Was erwarten oder erhoffen Sie sich von einem Grundeinkommen?
Hansen: Ich engagiere mich ehrenamtlich im Kreisjugendring Stormarn und sitze im Jugendhilfeausschuss des Kreises. Da hat mir vor Weihnachten eine Mitarbeiterin der kommunalen Arbeitsagentur erzählt, wie viele Ressourcen die Bearbeitung des Bildungspaketes binden wird, welche Schwierigkeiten bei ihnen durch die Verzögerung entstehen, wenn da über 3 oder 5 Euro gestritten wird, und wie wenig bei den Betroffenen ankommt. Da habe ich mir gesagt, es kann einfach so nicht funktionieren. Susanne Wiest hatte völlig Recht, als sie während der Anhörung zu ihrer Petition einem Politiker auf seine Behauptung, Hartz IV funktioniere doch, antwortete, er lebe wohl in einem anderen Land. Dass Menschen für die Gewährung des Existenzminimums zu irgendwelchen Sachen gezwungen werden, wird auf die Dauer nicht funktionieren. Das ist nicht menschenwürdig. Entscheidend ist für mich, , dass die Gelder tatsächlich ankommen statt in einem Bürokratiemoloch zu verschwinden. Das gelingt mit einer an Bedingungen geknüpften Grundsicherung nicht.
Acker: Wodurch sind Sie denn auf das Netzwerk Grundeinkommen aufmerksam geworden und was hat Sie bewogen, hier Mitglied zu werden?
Hansen: Auf das Netzwerk bin ich eigentlich erst gestoßen, nachdem ich letzte Woche bei ZDF log in eine Diskussion verfolgt hatte, bei der Philip Kovce von der Berliner Initiative echt vernünftige Sachen gesagt hat. Das habe ich ihm gemailt und gefragt, wie man da jetzt weitermachen kann. Er erwähnte die Netzwerke. Über die Website der Bundesagentur für Einkommen habe ich mich weitergehangelt und bin dann beim Netzwerk Grundeinkommen gelandet.
Acker: Wenn Sie einmal versuchen sich vorzustellen, in einer Gesellschaft mit Grundeinkommen zu leben: Was würde sich dadurch in Ihrem Leben ändern?
Hansen: Ich glaube, ich hätte dann mehr Kontakt zu Leuten, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Ich kenne Künstler und Studenten, die haben alle das Problem, dass sie es irgendwie hinkriegen müssen, sich und ihre Kinder zu ernähren. Und was sie dafür machen müssen, ist oft gegen ihren Willen und verlängert zum Beispiel unnötig das Studium. Was sich auch ändern würde, wäre die Flexibilität, die meine Frau hat, um die Kinder zu erziehen. Das wäre eine deutliche Verbesserung gegenüber dem heutigen Elterngeld. Für mich selbst würde sich wenig ändern, solange ich Erwerbsarbeit hätte. Auch beim Geld: Die Leute, die normal arbeiten, hätten genauso viel wie vorher.
Acker: Gibt es auch Dinge, die Ihnen beim Gedanken an eine bevorstehende Einführung des Grundeinkommens Angst machen oder Sorgen bereiten?
Hansen: Es könnte sein, dass es bei allem Nachdenken über das Grundeinkommen noch Aspekte gibt, die nicht genügend berücksichtigt worden sind, für die es keine Lösungen gibt oder nur solche, die weh tun. Zum Beispiel bei der Einwanderungspolitik. Da habe ich auch noch keine Antwort.
Acker: Herr Hansen, danke für das Gespräch.
