Grundeinkommen auf dem Humanistentag in Hamburg

Stefan Füsers 28.06.2013 Druckversion

Parallel zum Kirchentag hat man sich in Hamburg, auf St. Pauli, in den Fliegenden Bauten, zum 5. Humanistentag getroffen. Unter dem Motto „Gut – ohne Gott“ haben sich 400 – 500 TeilnehmerInnen zusammen gefunden. Die fünftägige Veranstaltung startete mit heftiger Kritik an der staatlichen Ungleichbehandlung von Kirchen- und Humanistentag. Während die Hamburger SteuerzahlerInnen rund 7,5 Millionen Euro direkt für den Kirchentag aufgebracht haben, wurde dem Humanistentag selbst ein Prozent dieser Summe verwehrt. Der Kirchentag hat entsprechend mächtig Werbung in Hamburg geschaltet, während der Hamburger Verkehrsverbund den Werbeslogan „Gut – ohne Gott, auf den Menschen kommt es an“ für den Humanistentag im Fahrgastfernsehen untersagt hat.

Neben deutlicher Kirchenkritik war aber auch Zeit für den eigentlichen Anspruch des Humanistentags – eine wissenschaftliche Herangehensweise an unser gesellschaftliches Zusammenleben. So war am Morgen bspw. Zeit, die Patientenverfügung zu erörtern und zu bewerben, während sich an den Abenden der Saal für den Science Slam oder den Autor Michael Schmidt Salomon füllte. Unser Grundeinkommensstand war im Saal so platziert, dass alle Blicke sofort auf das Roll-Up „Grundeinkommen – für alle“ fielen. Der Stand war ansonsten mäßig besucht, was vor allem damit zusammenhing, dass die meisten Besucher gegen Abend zu den Highlights in den Saal strömten und Diskussionen an den Ständen das Hauptprogramm beträchtlich gestört hätten. Immerhin wurde das Grundeinkommen in nahezu allen Presseartikeln über den Humanistentag erwähnt, auch wenn die taz peinlicherweise vom Grundeigentum schrieb.

Am Samstagmittag hatte ich die Möglichkeit, das Grundeinkommen auf der Bühne vorzustellen. Ich kritisierte, passend zur Stimmung auf dem Humanistentag, die ursprünglich protestantisch-kapitalistische Ethik, die nach Max Weber die Arbeit zum reinen Selbstzweck erhoben hat. Dass sich diese Ethik bis heute gehalten hat, während gesamtgesellschaftlich immer weniger Erwerbsarbeit geleistet wird, ist eine Gefahr für die Basis, auf der unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Diese Gesellschaft durch ein bedingungsloses Grundeinkommen menschlicher zu gestalten, war bereits Anspruch großer Humanisten wie bspw. Erich Fromm. In der anschließenden Diskussion mit der Fernsehmoderatorin Angelika Kalwass und dem Publikum kam zwar die übliche Frage, wie das finanziert werden solle, aber die Aussage, dass keiner mehr arbeiten würde, blieb nach dem Vortrag über die Arbeitsethik aus. Im Anschluss wurde ich in der Humanistengalerie WHOISHU aufgenommen und hatte die Chance, in zwei Podcasts, die erst später erscheinen werden, das Thema Grundeinkommen zu erläutern.

Ein Kommentar

Sylvia Kreye schrieb am 07.07.2013, 15:12 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Als EU-Bürgerin mit sowohl christlicher als auch humanistischer Grundeinstellung gehe ich völlig mit Ihnen konform, dass die ursprünglich protestantisch-kapitalistische Ethik der Arbeit als Selbstzweck heutzutage beim besten Willen nicht mehr tragbar ist. Es ist in der Tat unethisch und äußerst problematisch, Menschen, die (noch) in Erwerbsarbeit stehen, gegen Erwerbslose auszuspielen. Während die einen bis zur Erschöpfung arbeiten müssen, werden die anderen durch die Hartz IV-Gesetze immer mehr ins soziale Abseits gedrängt. Beide Extreme sind in meinen Augen ein Verstoß gegen die Menschenwürde! Es muss dringend etwas geschehen, damit die Menschenrechte und die demokratischen Werte, die wir uns so viele Jahrzehnte hindurch erkämpft haben, nicht noch mehr untergraben werden.

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