Die neue Phase von Mein Grundeinkommen – Michael Bohmeyer im Radiointerview

Patrick Wehner 29.01.2015 Druckversion

Crowdcards Foto: MeinGrundeinkommen e.V. Crowdcards – Foto: Mein Grundeinkommen e.V.

Im Sommer 2014 kam dem Berliner Jung­unter­nehmer Michael Bohmeyer die Idee zu einem Projekt, bei dem über Crowd­funding Geld für ein ein­jähriges Grund­ein­kommen* gesammelt werden sollte (wir be­rich­te­ten).

Ein halbes Jahr später erzählte er nun im Radio­interview auf Flux FM, wie es seitdem mit seinem Projekt Mein Grund­ein­kommen weiter­gegangen ist.

Gegen alle kritischen Stimmen kamen innerhalb weniger Tage die benötigten 12.000 Euro für das erste Grundeinkommen zusammen. Das darauf folgende Medieninteresse war groß. Bis Anfang 2015 wurden weitere fünf Grundeinkommen finanziert und verlost. Einer der Gewinner ist ein 8-jähriger Junge, dessen erste Frage war, ob er und seine Eltern jetzt reich seien. Einem anderen Gewinner hat das Grundeinkommen die Sicherheit gegeben seinen Job im Call-Center zu kündigen und eine Ausbildung als Erzieher anzufangen. 1.000 Euro pro Monat bedeuten für den einen eine riesige Taschengelderhöhung und stellen Eltern vor neue Herausforderungen, dem anderen bieten sie die Sicherheit für einen Neuanfang, das beste Mittel gegen die Angst vor dem Scheitern und dem Abrutschen in die Hartz-IV-Falle.

Dass nun bereits fünf Menschen ein bedingungsloses, wenn auch zeitlich begrenztes, Grundeinkommen beziehen ist schon verwunderlich genug; noch interessanter aber ist, dass über 8.000 Menschen einfach so bereit waren, dieses Geld für andere zu spenden und damit das soziale Experiment zu ermöglichen.

Mittlerweile ist der Anteil an Geld, der durch Crowdfunding in den Gewinntopf einfließt, geringer geworden. Aber Bohmeyer hat neue Wege gefunden eine regelmäßige Finanzierung zu sichern: Bei Onlineeinkäufen können Unterstützer über ein Browser-Plugin, die sogenannte „Crowdbar“, eine Verkaufsprovision der Onlinehändler auf das Konto des Gewinntopfs für weitere Grundeinkommen überweisen. Dadurch wurden innerhalb von zweieinhalb Monaten bemerkenswerte 20.000 Euro eingenommen.

Nun geht das Projekt in eine neue Phase. Das Team von Mein Grundeinkommen ist größer geworden und eine weitere Möglichkeit, Einnahmen zu generieren, wurde entwickelt: Mit einem Bonuskartensystem, ähnlich anderen Punktesammelaktionen beim Einkauf im Supermarkt, kann nun auch abseits des Internets für Grundeinkommen gesammelt werden. 7.000 solcher „Crowdcards“ wurden bereits verschickt. Der Vorteil von Crowdbar und Crowdcards ist, dass ihre Verwendung komplett anonym und für die Benutzenden kostenlos ist.

Foto: MeinGrundeinkommen e.V. Michael Bohmeyer – Foto: Mein Grundeinkommen e.V.

Auch Verlage sollen schon bei Bohmeyer angeklopft haben. Er selbst sagt, dass er kein Buch schreiben wolle. Lieber sammelt er Ideen für eine neue Ausrichtung des Projekts. Ein Ziel für 2015 ist es, bis zum Ende des Jahres 100 Euro Grundeinkommen finanziert zu bekommen. Außerdem soll eine Grundlagendiskussion zum Thema Arbeit angestoßen werden, da bezahlte Arbeit für immer weniger Menschen möglich sei und es viele Bereiche gäbe, in denen geleistete Arbeit weder als solche anerkannt noch entlohnt werde. Arbeit und Einkommen müssen voneinander getrennt und ein Leben ohne Existenzangst ermöglicht werden.

Zum Schluss des Interviews deutet er für die kommenden Monate noch weitere Vorhaben an. Eines ist gewiss: Das Team um Michael Bohmeyer steckt voller kreativer neuer Ideen. Zum Nachhören im Mitschnitt der Sendung.

 


* Bei Bohmeyers „Grundeinkommen“ handelt es sich natürlich nicht um ein wirkliches Grundeinkommen, da es nicht allen und nur ein Jahr gezahlt wird.

3 Kommentare

Manfred Rubba schrieb am 17.02.2015, 15:19 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Arbeit und Einkommen müssen voneinander getrennt und ein Leben ohne Existenzangst ermöglicht werden.

Und genau hier ist der Ansatz von „Gradido“. Gradido, die Natürliche Ökonomie des Lebens, ist ein Geld- und Wirtschaftsmodell nach dem Vorbild der Natur. Nach dem Vorbild der Natur erfolgt die Geldschöpfung, ohne dass dafür Schulden gemacht werden müssen für ein

1. Grundeinkommen zum Wohl jedes einzelnen Beteiligten ….

2. Staatseinkommen zum Wohl der Gemeinschaft: Familie, Kommune, Land .....

3. Umwelteinkommen zum Wohl des großen Ganzen: Natur, Umwelt, Mutter Erde ….

Steffen schrieb am 21.02.2015, 21:22 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Arbeit und Einkommen sind untrennbar voneinander. Zu beachten ist dabei, dass Einkommen nicht gleich Geldeinkommen bedeutet. Jeder, der arbeitet, tut es aus einer bestimmten Motivation heraus.

Was passiert aber, wenn Arbeit und GELD-Einkommen voneinander getrennt werden? Wofür bekommen wir dann Geld? Wofür geben wir es aus? Was arbeiten wir dann? Was gibt mir, was gibt jedem Menschen die Sicherheit, dass die Lebensgrundlagen erhalten bleiben?

Ich halte es im Rahmen dieser Ideen - Grundeinkommen und auch Trennung von Geldeinkommen und Arbeit - für elementar wichtig, darüber tiefgründig nachzudenken und dabei z.B. die Lebensmittelversorgung zu betrachten, ohne davon auszugehen, dass alles so bleibt wie es ist. Denn Leben heißt Veränderung!

Horst Weyrich schrieb am 19.04.2015, 07:20 UhrDirektlink zu diesem Kommentar

Ich finde man sollte einen Spielfilm drehen, der vor dem Hintergrund einer nahen Zukunft spielt, in der das BGE bereits eingeführt ist und sich die Bevölkerung bereits so verhält wie es sich daraus ergibt. Damit umgeht man all die Gegenargumente zur Realisierung eines BGE, setzt aber präzise die Vorteile der Vision BGE in die Köpfe. Meine Grundidee dazu wäre den Hauptdarsteller als jemanden zu beschreiben, der in der Jetzt-Zeit ein reaktionärer Voll-Kapitalist ist, dann bei einem Auto-Unfall in ein 10-jähriges Koma fällt und dann in einer Gesellschaft erwacht, die das BGE bereits seit Jahren eingeführt hat und dann dort versucht seine alten Maßstäbe und Werkzeuge vergeblich anzuwenden. So wird dem Zuschauer erklärt, warum das jetzige System nichts ist und das BGE das bessere System.

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