Anne Will und das schiefe Bild von der Armut

Herbert Wilkens 29.05.2008 Druckversion

Die Fernsehsendung von Anne Will am 24. Mai „Hungern muß hier keiner, ein Land redet sich arm“ ist auf vielfältige Kritik gestoßen. Stellvertretend für viele seien nur die folgenden Beiträge genannt, die für Grundeinkommens-Befürworter wohl besonders bedeutsam sind:

1) Sascha Liebermann schreibt in Stillstand durch Diskussion – bei Anne Will: „Es wird viel über arm und reich und wenig über Freiheit und Selbstbestimmung geredet. Die Selbstbestimmung der Bürger wird nicht wirklich für wichtig erachtet, ihrer Bereitschaft zu Engagement vertraut man nicht … Das größte Hindernis für die Einführung eines BGEs bleibt also das Mißtrauen. Solange wir nicht bereit sind, den Bürgern die Verantwortung zu geben, die sie gemäß unser demokratischen Ordnung tragen müssen, solange werden wir auf der Stelle treten.“

2) Uwe Zankl analysiert das schiefe Bild von der Armut detailliert und kommt zu dem Fazit: „Von einem sachlich-konstruktiven Umgang mit dem Thema Armut in Deutschland war diese Sendung weit entfernt. Die Stimmung gegenüber Arbeitslosen und Hartz IV Empfängern war von Pauschalisierung und Polarisierung gekennzeichnet. Deren reale Probleme, einen nachhaltigen Arbeitsplatz zu finden und welche fördernden Maßnahmen hierzu ergriffen werden müssten, wurden gar nicht erst besprochen.
Da nutzt auch die Worthülse wenig, die Hubertus Heil immer wieder gerne als Ziel sozialdemokratischer Arbeitsmarktpolitik vorgibt: nämlich Menschen wieder in Arbeit zu bringen, von der sie auch leben könnten. Wie dies mit Hilfe eines gesetzlichen Mindestlohns für Menschen gehen soll, die noch gar nicht in Arbeit sind, ist nicht nachvollziehbar.“

3) Die Aktiven Erwerbslosen in Deutschland (AEiD) greifen in einem Offenen Brief falsche Behauptungen bezüglich des Hartz-IV-Regelsatzes sowie die insgesamt tendenziöse Sendung an. Dieser Offene Brief hat bisher fast 600 Mitzeichner gefunden, und man kann sich noch beteiligen.

Wer mag, kann sich die Sendung ansehen – Freude macht es nicht.

Ein Kommentar

Roger Beathacker schrieb am 15.06.2008, 11:45 Uhr

Wer sich die Sendung nicht ansehen mag, kann sie hier nachlesen

http://notatio.blogspot.com/2008/05/der-untergang-des-abendprogrammes.html

- Gut moeglich, dass das minimal Freude macht.

;-)

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