Nach dem Kongress “Jenseits des Wachstums”

Dagmar Paternoga 30.06.2011 Druckversion

Der von Attac und BündnispartnerInnen veranstaltete wachstumskritische Kongress rückte ein zentrales, aber in der Öffentlichkeit wenig aufgegriffenes Thema in den Blickpunkt. Es gelang, die wichtigsten Strömungen der wachstumskritischen Debatte auf dem Kongress zu versammeln. Die Diskussion hat damit auch in Deutschland (wieder) öffentliche Aufmerksamkeit erregt, der Kongress hatte Signalwirkung.

Die hohe TeilnehmerInnenzahl von ca. 2.500 vor allem jungen Leuten, darunter viele, die sich vorher noch nie mit dem Thema beschäftigt hatten, war äußerst erfreulich. Wir hatten einen so großen Kongress nicht erwartet. Wir haben offensichtlich ein Thema aufgegriffen, das sozusagen „in der Luft lag“.

Es fiel auf, dass bei den Veranstaltungen die Prominenz gefragt war. Workshops zu speziellen Themen oder unbekannte ReferentInnen hatten wenig Zulauf. In den einzelnen Veranstaltungen hörte man einander aufmerksam zu, der Ton war freundlich und Widersprüche wurden ohne persönliches Gekränktsein ausgehalten.

Als wichtig festzuhalten gilt, dass viele ReferentInnen und Mitdiskutierenden die soziale und die ökologische Frage als zusammengehörig betrachten, also kein „Entweder – Oder“ unterstellten. Dies war insgesamt Konsens des Kongresses – mit unterschiedlicher Fokussierung beispielsweise bei den Gewerkschaften und beim BUND.

So sprachen verschiedene Organisationen (Attac, Feministinnen, Decroissance/Degrowth, BUND u. a.) von bedingungslosem Grundeinkommen sowie von Globalen Sozialen Rechten, Umverteilung und Arbeitszeitverkürzung und führten dies als Voraussetzung dafür an, dass über die Fragen „wie wollen wir in Zukunft leben?“ und „wie sieht eine Postwachstumsgesellschaft aus?“ demokratisch diskutiert werden kann. Nur wer weiß, dass Einkommen und materielle Sicherheit künftig als Recht garantiert sind, wird bereit sein, sich auf das Experiment einer Wirtschaftsschrumpfung einzulassen. Auch wurde diskutiert, dass gemeinschaftliche Güter bzw. öffentliche Infrastrukturen ökologisch effektiver sind als Marktlösungen. Die Attac-Forderung, den Märkten das Soziale zu entziehen, wurde nur am Rande erwähnt und nicht zentral diskutiert. So ging es in der Diskussion häufig um persönliche Lebensstile und um das, was man individuell als KonsumentIn tun kann. Vor allem die Attac AG „Genug für alle“ führte an, dass Umverteilung aus dem gesellschaftlichen Investitions- in den Konsumfonds die ökologisch schädliche Wirkung von Geld reduziert.

Es gilt nun, einen strukturierten Diskussionsprozess mit potenziellen Bündnispartnern fortzusetzen und die Debatte mit konkreten Vorschlägen (bedingungsloses Grundeinkommen, ÖPNV gebührenfrei, kostenlose „Grund“Energie etc.) in die Öffentlichkeit zu tragen.

Ein Forum dafür kann sicherlich der internationale Grundeinkommens-Kongress des Basic Income Earth Network sein, der 2012 in München stattfindet.

Dagmar Paternoga von der Attac AG „Genug für alle“

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