Pressemitteilung: Netzwerk Grundeinkommen kritisiert Weißbuch der Arbeitsministerin

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Wir begrüßen, dass sich das von Andrea Nahles geführte Ministerium mit dem Thema „Arbeiten 4.0“ auseinandersetzt. Wir stellen fest, dass sich im Weißbuch nicht in angemessener Form dem Thema angenommen wird.

Übersehen wird zum Beispiel, dass auch die Automatisierung von zum Beispiel 50 Prozent der mit einem Beruf oder Arbeitsplatz verbundenen Tätigkeiten zum Wegfall von 50 Prozent dieser Arbeitsplätze führen kann. Der Hinweis, Betroffene könnten dann ein paar noch nicht automatisierbare Tätigkeiten übernehmen, ist unsinnig, weil solche Tätigkeiten in der Regel nicht durch die Automatisierung entstehen, sondern bereits durch andere Beschäftigte ausgeübt werden.

Verschiedene Studien kommen zum Ergebnis, dass in den nächsten Jahren bis zu 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland durch Automatisierung wegfallen könnten. Im Weißbuch wird dagegen behauptet, es werde keine massenhafte Automatisierung von Arbeitsplätzen geben. „Diese Behauptung ist angesichts der vorliegenden Studien unverantwortlich“, erklärt Reimund Acker, Mitglied des Netzwerkrates.

Der Wegfall jedes zweiten Arbeitsplatzes in Deutschland durch Automatisierung stellt für viele ExpertInnen eine mögliche Zukunft dar. Deshalb erwarten wir von verantwortungsvollen PolitikerInnen, dass sie dafür einen Plan B in der Schublade haben, in dem zum Beispiel das Grundeinkommen eine entscheidende Rolle spielt.

Die pauschale Ablehnung des Grundeinkommens im Weißbuch und die Weigerung, einen Arbeitsbegriff zugrunde zu legen, der über Erwerbsarbeit hinausgeht, ignoriert langjährige Diskussionsprozesse in Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen und kirchlichen Initiativen.

Auch die Darstellung von Arbeitszeitverkürzung und Grundeinkommen als Gegensätze und die irreführende Gleichsetzung der Grundeinkommensidee mit Ideen von Thomas Morus oder mit dem neoliberalen Modell eines Milton Friedman offenbart Unkenntnis diverser Grundeinkommenskonzepte und einschlägiger Studien zum Grundeinkommen.

Eine Spaltung der Gesellschaft durch das Grundeinkommen zu unterstellen, ist aus dem Munde des von Andrea Nahles geführten Bundesministeriums problematisch: „Ein Ministerium, dass seit Jahrzehnten die Spaltung der Gesellschaft im Arme und Reiche, die soziale Ausgrenzung von vielen Menschen und eine repressive Sozialpolitik zu verantworten hat, sollte sich mit solchen Äußerungen zurückhalten“, sagt Ronald Blaschke, ebenfalls Mitglied des Netzwerkrates.

Wir würden es begrüßen, wenn sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ernsthaft mit den Fragen zukunftstauglicher Produktions- und Verteilungskonzepte auseinandersetzen würde. Wir sind gern zu Gesprächen bereit.

Ansprechpartner des Netzwerks Grundeinkommen: Ronald Blaschke, + 49 177 89 41 473

Für weitere Fragen zum Thema Arbeiten 4.0: Reimund Acker, + 49 89 80 72 93

V.i.S.d.P.: Ronald Blaschke, + 49 177 89 41 473, blaschke@grundeinkommen.de, c/o Netzwerk Grundeinkommen

Die Pressemitteilung als pdf-Dokument.

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2 Kommentare:

  1. Ute Plass
    schrieb am 30.11.16 um 20:52 Uhr ( Permalink ):

    Eine Sendung im Deutschlandfunk über die „Zukunft der Arbeit – Chancen und Risiken des digitalen Wandels“

    http://www.deutschlandfunk.de/zukunft-der-arbeit-chancen-und-risiken-des-digitalen-wandels.2011.de.html?dram:article_id=372665

  2. Heinz Gunkel
    schrieb am 01.12.16 um 19:01 Uhr ( Permalink ):

    Im November 1986, also vor 30 Jahren, als noch niemand an die deutsche Wende gedacht hatte und die »geistig moralische Wende« von Kohl und Lambsdorff mal gerade vier Jahre her war, hatte Ralf Darendorf in Die Zeit geschrieben: Die Arbeitsgesellschaft ist am Ende.
    Artikel

    Heute haben wir keine Arbeitsgesellschaft und mit dem Euro auch keine Soziale Marktwirtschaft mehr; darum ist die Veränderung der Sozialgesetze seit 30 Jahren (eigentlich) überfällig.

    Mit einem Grundeinkommen werden primär aber keine sozialen Probleme gelöst, sondern wirtschaftliche in einer sich verändernden Arbeitswelt.

    Das Grundeinkommen hat die Funktion, die Bevölkerung mit Kaufkraft zu versorgen und es wird die Wirtschaft sein, von der die Politiker.Innen zum Grundeinkommen getrieben werden; die Frage bleibt offen, zu welchen „Bedingungen.“

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